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Themenvorschläge
Kanäle und Deiche
Der Wind weht kalt über den Deich der Nordseeküste. Das Meer ist grau und unruhig; lange Wellen rollen unter blauem Himmel heran und zerbrechen schäumend an den steinernen Böschungen. Salzige Luft liegt über dem Land, Möwen ziehen kreischend über den Himmel. Hinter dem Deich erstrecken sich flache Marschwiesen, durchzogen von Gräben und kleinen Wasserläufen. Hier, wo Land und Meer ständig um Raum ringen, treffen drei Männer aufeinander, deren Lebenswerk sich um genau diesen Kampf...
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Bildung
Der Morgen liegt kühl über Berlin. Ich, Wilhelm von Humboldt, stehe am Fenster meines Arbeitszimmers, als ein junger Lehrjunge durch die Gasse eilt. Kurz darauf habe ich Besuch. Ein Pfarrer, ein Handwerksmeister, ein Gymnasiallehrer und ein junger Beamter haben meiner Einladung Folge geleistet. Wir setzen uns an den Tisch. Humboldt: „Meine Herren, wenn ich aus dem Fenster blicke, frage ich mich: Welche Wege stehen diesem Lehrjungen offen? Wird er je erfahren, welche Kräfte in ihm ruhen? Ich...
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August Borsig
Deutschland steht am Anfang des 19. Jahrhunderts und hört den Fortschritt kommen, lange bevor es ihn begreift. Er liegt in der Luft wie fernes Donnern. In Berlin, Dresden und Nürnberg klirren Hämmer auf Ambosse, Sägen kreischen durch feuchte Werkstätten, Pressen stampfen im Takt. Stimmen rechnen, schätzen, handeln. Die Räume sind niedrig, die Fenster klein, Licht fällt sparsam auf Werkbänke voller Eisenstaub. Hände sind rau, Gesichter vom Ruß gezeichnet. Überall wird gearbeitet,...
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Made in Germany
Sir Edward Harrington, ein Abgeordneter mit scharf geschnittenem Gesicht und geschniegelt grauem Bart, steht am Fenster und blickt auf die Themse hinaus. Hinter ihm sitzt Joseph Chamberlain, energisch, mit durchdringendem Blick. Auch einige Fabrikanten sind eingeladen, unter ihnen der Metallwarenhändler Arthur Pembroke aus Sheffield. Ein Sekretär legt Papiere bereit. „Man sagt“, beginnt Pembroke und schlägt mit zwei Fingern auf einen Musterkatalog, „dass diese deutschen Waren in...
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Deutscher Lloyd
Der Wind über der Themse trägt den Geruch von Salz, Kohle und Gewürzen. Meier steht auf einer Anhöhe nahe der Docks und betrachtet das Schauspiel unter sich. Schiffe aus Indien, aus Amerika, aus Afrika liegen dicht an dicht. Kulenkampff tritt neben ihn. "Hier sieht man, was Organisation vermag", bemerkt er leise. "Hier sieht man, was Macht bedeutet", antwortet Meier ruhig. Ein britischer Kaufmann mit scharf geschnittenem Gesicht gesellt sich zu ihnen. "Willkommen in London, Sir. Hier...
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Johann Sebastian Bach
Die Kirche liegt im Halbdunkel. Staub tanzt im Licht, das durch die hohen Fenster fällt. Die Mauern sind alt, sie haben viel gehört: Gebete, Klagen, Gesang. Heute sitzen Menschen aus einer anderen Zeit hier, mit Mänteln, Jacken, Smartphones in den Taschen. Und doch sind sie plötzlich still, als gehörten sie zusammen. Oben auf der Empore bewegt sich etwas. Hände legen sich auf die Tasten der Orgel. Dann geschieht es. Ein mächtiger Akkord bricht hervor, scharf und dunkel, wie ein Blitz in...
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Justus von Liebig
Darmstadt schläft noch, aber im Haus der Familie Liebig ist schon Licht. Eine kleine Flamme flackert unruhig und wirft tanzende Schatten an die Wand. Justus von Liebig sitzt auf einem Hocker, die Knie angezogen, den Oberkörper nach vorne gebeugt. Seine Augen ruhen nicht auf dem Docht, sondern auf dem, was darüber geschieht. Die Flamme bewegt sich, als hätte sie ein eigenes Leben. Sie wird schmal, dann breit, bläulich am Rand, gelb im Inneren. Warum? Diese Frage begleitet ihn wie ein leiser...
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Reisekaiserin
Der Herbst des Jahres 972 lag warm über den Hügeln Italiens, als der Zug der byzantinischen Prinzessin sich dem kaiserlichen Hof näherte. Staub schwebte über den Straßen, die sich durch Olivenhaine und Weinberge zogen, doch er verlor gegen das Glitzern der Stoffe, die Theophanus Gefolge trug: Purpur, Goldfäden, Seide aus den Werkstätten Konstantinopels. Die Menschen entlang der Wege wussten sofort, dass dies kein gewöhnlicher Hochzeitszug war. Er brachte eine Frau, deren Herkunft allein...
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Die Kamera
Der Lichtstrahl ist schon da, lange bevor jemand versucht, ihn zu begreifen. Er wandert über Mauern und Böden, kriecht durch Ritzen in alten Holztüren, tanzt auf dem Wasser eines Brunnens, fällt auf Gesichter, die ihn nie bemerken, und verschwindet wieder in einem Augenblick, der kaum länger dauert als ein Atemzug. Und doch gleitet er an manchen Tagen langsamer, als halte er inne, um sich selbst zu betrachten. Vielleicht weiß das Licht, dass eines Tages jemand es einfangen will, so wie...
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Prinz Eugen
Der Winter des Jahres 1492 legt sich wie ein kühler Schleier über die Hügel Andalusiens. Über Granada hängt ein grauer Morgenhimmel, und die Mauern der Alhambra glänzen im ersten Licht wie bernsteinfarbener Stein. Auf den Zinnen stehen Soldaten des katholischen Königspaares Ferdinand und Isabella, ihre Banner im kalten Wind gespannt. Die Stadt ist still, viel zu still für eine Metropole, die über Jahrhunderte ein Zentrum islamischer Kultur war. Heute endet diese Epoche. Die Tore der...
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Robert Bosch
Es riecht nach Regen und Kohle, nach frischem Holz und nassem Stein. Der Hinterhof in der Rotebühlstraße liegt still, nur der Hufschlag eines Pferdewagens hallt von den Fassaden wider. Robert Bosch steht am Eingang eines kleinen Werkstattgebäudes. Er zieht den Schlüssel aus der Tasche, atmet tief ein – und öffnet die Tür zu seiner Zukunft. Die Räume sind schlicht: eine Werkbank, ein Ofen, eine Wand voller fein säuberlich geordneter Werkzeuge. Doch in seinem Kopf sind diese Wände...
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Nationalhymne
Der Morgen über Eisenstadt liegt noch still, als Joseph Haydn die gepflasterte Auffahrt entlanggeht, die vom Stadttor hinauf zum Schloss Esterházy führt. Es ist einer jener frühen Februartage, an denen der Frost wie ein silbriger Schleier über den Dächern liegt und die Atemwolken der Menschen in der Luft verharren, als wollten sie selbst noch ein wenig schlafen. Haydn zieht den Mantel enger um seine Schultern. Seine Schritte klingen gedämpft, fast respektvoll, als wolle selbst der Kies...
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Albrecht Krupp
Essen, ein kühler Abend. Über den leeren Feldern am Rand der Stadt steht eine kleine Holzwerkstatt, kaum mehr als eine Hütte, durch deren Ritzen der Wind pfeift. Drinnen flackert ein kleines Feuer, nicht größer als ein Herd, aber für den jungen Alfred wirkt es wie ein schlafender Drache, der darauf wartet, geweckt zu werden. Sein Vater Friedrich steht daneben, rußverschmiert, die Ärmel hochgekrempelt, die Hände schwielig vom Arbeiten. „Komm näher“, sagt er, und Alfred tritt...
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Hildegard von Bingen
Die Sonne steht hoch, ihre Strahlen sind hart. Der Garten des Klosters liegt in stillem Glanz, zwischen Kräuterbeeten, schmalen Pfaden und frisch umgegrabener Erde. Eine junge Nonne kniet im harten Boden, die Hände schmutzig, die Finger wund vom Zupfen und Graben. Der Geruch von Salbei, Thymian und Erde mischt sich mit Schweiß. Jeder Zug am Unkraut, jede Bewegung ist schwer, und doch erfüllt sie die Arbeit mit einem stillen Ernst. Sie heißt Hildegard. Ihr Körper ist schwach, ihre Augen oft...
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Die Germania
Friedrich wundert sich bis heute, dass man einfach durch einen Wald spazieren kann – und plötzlich steht man in einem anderen Land, ohne es zu merken. Nur die Uniformen der Zöllner ändern sich, oder die Farbe der Grenzsteine. Einmal, als er mit seinem Vater von Hanau nach Fulda reiste, wurden sie dreimal kontrolliert – einmal wegen Salz, einmal wegen der Bücher, die sein Vater bei sich trug, und schließlich wegen eines Liedes, das Friedrich gepfiffen hatte. Ein verbotenes Lied. „Jedes...
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Die Walhalla-Ruhmeshalle
Es ist ein kühler Herbstmorgen des Jahres 1820, als ich zum ersten Mal an den Hängen bei Donaustauf stehe. Die Donau glitzert träge im frühen Licht, Nebelschwaden ziehen durch das Tal, und über mir erhebt sich der kahle Hügel – still, unberührt, beinahe ehrfürchtig. „Hier“, sagt Kronprinz Ludwig, „soll sie stehen. Unsere Walhalla. Ein Tempel des Geistes, der Tugend, der deutschen Größe.“ Ich schweige einen Moment, überwältigt von der Idee und der Landschaft. Die Donau zu...
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Deutsche Märzrevolution (1848)
Der Schuster Hermann Friedrich zieht seinen Kittel zurecht, als er den staubigen Weg zum Hambacher Schloss hinaufsteigt. Er ist vier Tage unterwegs gewesen, um hierher zu kommen. Die Sonne brennt heiß auf das Land, doch die Menschen, die sich ringsum versammelt haben, stören sich nicht daran. Männer und Frauen, Studenten und Handwerker, Bürger und Adelige – sie alle strömen nach oben, die schwarz-rot-goldenen Fahnen wehen im Wind. Hermanns Herz schlägt schneller. Schon seit Wochen hat er...
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