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Themen­vorschläge

Robert Bosch

Es riecht nach Regen und Kohle, nach frischem Holz und nassem Stein. Der Hinterhof in der Rotebühlstraße liegt still, nur der Hufschlag eines Pferdewagens hallt von den Fassaden wider. Robert Bosch steht am Eingang eines kleinen Werkstattgebäudes. Er zieht den Schlüssel aus der Tasche, atmet tief ein – und öffnet die Tür zu seiner Zukunft. Die Räume sind schlicht: eine Werkbank, ein Ofen, eine Wand voller fein säuberlich geordneter Werkzeuge. Doch in seinem Kopf sind diese Wände...

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Nationalhymne

Der Morgen über Eisenstadt liegt noch still, als Joseph Haydn die gepflasterte Auffahrt entlanggeht, die vom Stadttor hinauf zum Schloss Esterházy führt. Es ist einer jener frühen Februartage, an denen der Frost wie ein silbriger Schleier über den Dächern liegt und die Atemwolken der Menschen in der Luft verharren, als wollten sie selbst noch ein wenig schlafen. Haydn zieht den Mantel enger um seine Schultern. Seine Schritte klingen gedämpft, fast respektvoll, als wolle selbst der Kies...

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Albrecht Krupp

Essen, ein kühler Abend. Über den leeren Feldern am Rand der Stadt steht eine kleine Holzwerkstatt, kaum mehr als eine Hütte, durch deren Ritzen der Wind pfeift. Drinnen flackert ein kleines Feuer, nicht größer als ein Herd, aber für den jungen Alfred wirkt es wie ein schlafender Drache, der darauf wartet, geweckt zu werden. Sein Vater Friedrich steht daneben, rußverschmiert, die Ärmel hochgekrempelt, die Hände schwielig vom Arbeiten. „Komm näher“, sagt er, und Alfred tritt...

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Die Göltzschtal­brücke

Das Tal liegt still an diesem Frühlingsmorgen. Nebel zieht wie feines Leinen über die Hänge, tastet sich zwischen den Bäumen entlang, legt sich auf die Dächer der kleinen Stadt, die sich wie festgewachsen an den Hang schmiegt. Reichenau. Ein Name, der einst wie ein Versprechen klingt, doch heute klingt er mehr nach dem, was einmal war. Die Göltzsch windet sich durch das Tal wie ein silberner Faden, an manchen Stellen schäumend und wild, an anderen ruhig und träge, als wüsste der Fluss...

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Hildegard von Bingen

Die Sonne steht hoch, ihre Strahlen sind hart. Der Garten des Klosters liegt in stillem Glanz, zwischen Kräuterbeeten, schmalen Pfaden und frisch umgegrabener Erde. Eine junge Nonne kniet im harten Boden, die Hände schmutzig, die Finger wund vom Zupfen und Graben. Der Geruch von Salbei, Thymian und Erde mischt sich mit Schweiß. Jeder Zug am Unkraut, jede Bewegung ist schwer, und doch erfüllt sie die Arbeit mit einem stillen Ernst. Sie heißt Hildegard. Ihr Körper ist schwach, ihre Augen oft...

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Turnvater Jahn

Der Morgennebel hing noch schwer über der Wiese, als zwei Gestalten in weißen Hemden und straffen Leinenhosen sich gegenseitig im Ringen maßen. Es war ein wuchtiges, aber kontrolliertes Kräftemessen – wie ein Tanz, bei dem niemand führte, aber beide wussten, was zu tun war. „Fester Stand, mein Freund! Sonst heb’ ich dich wie ein Sack Mehl über die Schulter!“, rief Jahn mit funkelnden Augen. Sein Kontrahent, ein jüngerer Mann mit zerzaustem Haar und rotem Kopf, japste: „Sprichst...

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Otto Lilienthal

Der Wind fuhr durch das hohe Gras des Rhinower Hügels wie eine Hand, die prüfend über Samt strich. Es war ein heller Augustmorgen des Jahres 1891, als Otto von Lilienthal den Hang hinaufstieg – langsam, bedächtig, als trüge er nicht nur seine selbstgebaute Flugapparatur, sondern auch die Last eines ganzen Jahrhunderts auf dem Rücken. Er trug einen dunklen Anzug, die Hosen weit und bis über die Stiefel gezogen, und auf seiner Nase balancierte eine Nickelbrille, deren Gläser in der...

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Die Germania

Friedrich wundert sich bis heute, dass man einfach durch einen Wald spazieren kann – und plötzlich steht man in einem anderen Land, ohne es zu merken. Nur die Uniformen der Zöllner ändern sich, oder die Farbe der Grenzsteine. Einmal, als er mit seinem Vater von Hanau nach Fulda reiste, wurden sie dreimal kontrolliert – einmal wegen Salz, einmal wegen der Bücher, die sein Vater bei sich trug, und schließlich wegen eines Liedes, das Friedrich gepfiffen hatte. Ein verbotenes Lied. „Jedes...

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Zug der Kimbern und Teutonen

Dunkle Wolkentürme wuchsen über der Küste der Uthlande. Windböen peitschten über das Gras, das sich flach auf den Boden presste wie in Angst vor dem, was kommen mochte. Orik, gerade zwölf Sommer alt, stand am Strand und blickte mit großen, ungläubigen Augen hinaus aufs Meer. Er kannte das Meer gut – seine Unberechenbarkeit, seine Launen –, doch heute schien es fremd und bedrohlich wie ein zorniges Wesen. „Orik, komm endlich!“, rief seine Schwester Solveig von weiter oben am...

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König Otto besiegt die Magyaren

Der Rauch hing schwer in der Luft, während Albrecht durch die Trümmer seines Dorfes stapfte. Die Magyaren waren in der Morgendämmerung gekommen, ihre Pferde wie Schatten durch die Felder huschend, ihre Pfeile tödlich und unbarmherzig. Häuser brannten, Tiere lagen verendet im Dreck, und die Schreie der Verwundeten hallten in den Ruinen wider. Seine Frau war tot, sein Sohn verschleppt. Nur mit Mühe unterdrückte Albrecht den Kloß in seiner Kehle. Er war Bauer gewesen, nun war er ein Mann...

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Erbauer von Kathedralen

Er hat lange gelernt, um an diesem Tag an diesen Ort geschickt zu werden. Sein Meister hat ihn geschickt. Im Jahr 1355, an einem kühlen Herbstmorgen, betritt der junge Steinmetz Jakob zum ersten Mal die Mauern der großen Stadt Köln. Der Staub der Landstraße klebt noch an seinen Stiefeln, während er ehrfürchtig die hoch aufragenden Türme und geschäftigen Gassen betrachtet. Seit er denken kann, träumt er davon, an einem der größten Bauwerke seiner Zeit mitzuwirken: dem Kölner Dom....

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Die deutsche Hanse

Er zieht seinen Mantel fester um die Schultern, während er durch das mächtige Stadttor tritt. Die Morgensonne taucht die Hansemetropole Lübeck in ein warmes Licht, und doch liegt eine kühle Brise vom Hafen in der Luft. Der Geruch von Salz, Teer und Fisch mischt sich mit dem süßen Duft frisch gebackenen Brotes aus den Bäckereien. Hans ist zum ersten Mal hier – in dieser geschäftigen Stadt der Hanse, deren Name er in den Handelskontoren seiner Heimat oft hört. Noch kennt er ihre Gassen...

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Gutenberg erfindet den modernen Buchdruck

Die Sonne stand tief am Himmel über Mainz, als Paul durch die engen Gassen von Mainz schritt. Der plötzliche Tod seines Meisters hatte ihn erschüttert. Noch gestern hatte er in der vertrauten Werkstatt gestanden, die nach Tinte, Leim und Papier duftete. Nun aber war alles verloren. Ohne Meister, ohne Arbeit, ohne Zukunft. Er kickte einen losen Pflasterstein beiseite und ballte die Hände zu Fäusten. Es musste weitergehen. Er war ein Buchbinder-Geselle, geschickt mit den Händen, vertraut mit...

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Preußische Reformen

Ich heiße Albrecht, Graf von Falkenstein, und ich bin 17 Jahre alt. Mein Vater starb früh, und so wurde ich schon als Junge Herr über unser Gut. Falkenstein liegt in den weiten Feldern Ostpreußens, wo der Wind über das Getreide streicht und die Sonne über endlosen Wiesen steht. Meine Nachbarn – die anderen Grafen, Freiherren und Barone – sehen in mir nur den Jungen mit dem alten Namen. Für sie bin ich ein Fremder in ihrer Welt, obwohl ich einer von ihnen bin. Doch ich denke nicht wie...

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Die Walhalla-Ruhmeshalle

Es ist ein kühler Herbstmorgen des Jahres 1820, als ich zum ersten Mal an den Hängen bei Donaustauf stehe. Die Donau glitzert träge im frühen Licht, Nebelschwaden ziehen durch das Tal, und über mir erhebt sich der kahle Hügel – still, unberührt, beinahe ehrfürchtig. „Hier“, sagt Kronprinz Ludwig, „soll sie stehen. Unsere Walhalla. Ein Tempel des Geistes, der Tugend, der deutschen Größe.“ Ich schweige einen Moment, überwältigt von der Idee und der Landschaft. Die Donau zu...

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Deutsche Märzrevolution (1848)

Der Schuster Hermann Friedrich zieht seinen Kittel zurecht, als er den staubigen Weg zum Hambacher Schloss hinaufsteigt. Er ist vier Tage unterwegs gewesen, um hierher zu kommen. Die Sonne brennt heiß auf das Land, doch die Menschen, die sich ringsum versammelt haben, stören sich nicht daran. Männer und Frauen, Studenten und Handwerker, Bürger und Adelige – sie alle strömen nach oben, die schwarz-rot-goldenen Fahnen wehen im Wind. Hermanns Herz schlägt schneller. Schon seit Wochen hat er...

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Der Ottomotor

Wir schreiben das Jahr 1863. Ich bin kaum sechzehn und habe das Gefühl, die ganze Welt sei aus Zahnrädern, Schrauben und Funken gemacht. Mein Name ist Johann, und heute betrete ich zum ersten Mal die Werkstatt von Nikolaus August Otto. Die Tür quietscht, als ich sie aufdrücke. Drinnen ist es warm, feucht, und es riecht nach Öl, Rauch – und einer Idee, die noch keinen Namen hat. Die Morgensonne liegt wie Bienenhonig auf dem Pflaster vor der Werkstatt, als ich mit rußigen Händen und...

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