Deutscher Zollverein

1. Der Kaufmann und der Schlagbaum

Die Sonne fällt durch die hohen Fenster der Wiener Hofburg und legt helle Rechtecke auf einen Tisch, der beinahe vollständig unter Karten verschwunden ist. Europa liegt dort ausgebreitet, zerknittert, mit Tinte befleckt und von so vielen Grenzlinien durchzogen, als habe ein nervöser Schneider versucht, einen Mantel für einen ganzen Kontinent zuzuschneiden. Fürst Klemens von Metternich steht über der Karte und betrachtet die deutschen Länder. Neben ihm wartet Karl August von Hardenberg, der preußische Staatskanzler. "Nun", sagt Hardenberg, "Napoleon ist geschlagen." Metternich hebt den Blick. "Das ist erfreulich." "Sie klingen nicht erfreut." "Weil das Ende eines Problems die unangenehme Eigenschaft besitzt, mehrere neue hervorzubringen." Hardenberg deutet auf die Karte. Dort, wo einst das Heilige Römische Reich bestanden hat, liegen Königreiche, Großherzogtümer, Herzogtümer und freie Städte nebeneinander. Bayern, Württemberg und Sachsen sind Königreiche. Baden und Hessen Darmstadt sind Großherzogtümer. Dazu kommen kleinere Fürstentümer und die freien Städte. Zwei Großmächte ragen weit über diese Welt hinaus: Österreich und Preußen. "Was soll aus Deutschland werden?", fragt Hardenberg. Metternich nimmt eine Prise Tabak. "Eine gefährliche Frage." "Deshalb stelle ich sie Ihnen." "Deutschland soll vor allem nicht wieder zum Schlachtfeld Europas werden." Draußen fährt eine Kutsche über den Hof. Wien ist seit Monaten voller Diplomaten. Nach mehr als zwanzig Jahren Revolution und Krieg versucht der Wiener Kongress, Europa neu zu ordnen. Könige, Minister und Gesandte verhandeln über Länder, Grenzen und Herrschaftsansprüche. Der Frieden sitzt mit am Tisch und verlangt eine Sitzordnung. Für die deutschen Länder ist die Aufgabe besonders schwierig. Bis 1806 hat das Heilige Römische Reich den politischen Rahmen gebildet. Dann hat Kaiser Franz II. die Reichskrone niedergelegt. Napoleon hat zahlreiche deutsche Staaten im Rheinbund zusammengeführt und die politische Landkarte gründlich verändert. Nun ist Napoleon besiegt, doch das alte Reich kehrt nicht zurück. Seine Geschichte lässt sich nicht wie ein umgestürzter Schrank wieder aufrichten. "Ein neuer deutscher Kaiser also nicht?", fragt Hardenberg. Metternich sieht ihn an. "Haben Sie einen Kandidaten mitgebracht?" "Nein." "Ausgezeichnet. Dann können wir schneller zu vernünftigen Lösungen kommen." Hardenberg lächelt. Beide Männer wissen, dass hinter dem Scherz eine ernste Frage steht. Soll aus den deutschen Ländern ein einheitlicher Staat werden? Dafür gibt es 1815 weder ausreichend Einigkeit unter den Fürsten noch eine gemeinsame Vorstellung davon, wie ein solcher Staat aussehen sollte. Bayern, Württemberg, Sachsen und die anderen Herrscher wollen ihre neu gewonnene oder behauptete Souveränität nicht einfach aufgeben. Österreich möchte seinen Einfluss in Deutschland bewahren. Preußen ist aus den Kriegen gestärkt hervorgegangen und erhält auf dem Wiener Kongress große Gebiete im Westen. Niemand möchte einen Nachbarn so mächtig machen, dass aus Zusammenarbeit Unterordnung wird. "Die deutschen Fürsten werden keinem starken Zentralstaat zustimmen", sagt Metternich. "Sie wollen Sicherheit, aber keine Regierung über ihren Regierungen." "Dann brauchen wir etwas dazwischen." "Genau." Metternich zieht ein Papier heran. "Einen Bund." Hardenberg betrachtet ihn. "Wie stark?" "Stark genug, um zu bestehen." "Und schwach genug, um niemanden zu erschrecken?" "Jetzt verstehen Sie Diplomatie." Am 8. Juni 1815 wird die Deutsche Bundesakte beschlossen. Aus den deutschen Staaten und freien Städten entsteht der Deutsche Bund, ein Staatenbund, der schließlich 39 Mitglieder umfasst. Österreich und Preußen gehören mit jenen Gebieten dazu, die Teil des Bundes sind. Der Bund besitzt keinen Kaiser und keine gemeinsame Regierung für Deutschland. Seine Mitglieder bleiben eigenständige Staaten. "Also haben wir Deutschland geeint", sagt Hardenberg. Metternich hebt langsam eine Augenbraue. "Nein." "Das ging schnell." "Wir haben einen Bund geschaffen." "Der Deutschland umfasst." "Das macht ihn noch nicht zu einem deutschen Staat." Hardenberg geht zur Karte. "Dann erklären Sie mir Ihr Werk." Metternich tritt neben ihn. "Die Mitgliedstaaten verpflichten sich, die Sicherheit Deutschlands und die Unabhängigkeit der einzelnen Bundesstaaten zu schützen. Sie beraten gemeinsame Angelegenheiten. Aber ihre Regierungen bleiben bestehen. Ihre Fürsten bleiben Fürsten. Ihre Gesetze bleiben ihre Gesetze." "Ihre Münzen bleiben ihre Münzen?" "Selbstverständlich." "Ihre Maße?" "Auch die." "Ihre Zölle?" Metternich hält kurz inne. "Auch die." Hardenberg sieht ihn an. "Dann haben wir einen politischen Bund geschaffen, in dem ein Kaufmann noch immer an Grenzen zahlen darf." "Sie sagen das, als sei es ein Konstruktionsfehler." "Ich sage nur, dass ein Kaufmann eine andere Vorstellung von Einheit haben könnte als ein Diplomat." Metternich lächelt. "Zum Glück sitzen beim Wiener Kongress mehr Diplomaten als Kaufleute." Genau hier liegt der Widerspruch, der die kommenden Jahrzehnte prägen wird. Auf der politischen Karte gibt es nun den Deutschen Bund. Auf der wirtschaftlichen Karte existiert jedoch kein entsprechender deutscher Binnenmarkt. Wer Waren von einem deutschen Staat in einen anderen bringt, begegnet unterschiedlichen Zollsystemen. Dazu kommen verschiedene Münzen, Maße und Gewichte. Eine politische Linie ist gezogen worden, doch der Handel stolpert weiterhin über zahlreiche kleinere Linien innerhalb dieser Grenze. Am Nachmittag betreten weitere Gesandte den Raum. Ein Vertreter Bayerns legt seine Handschuhe auf den Tisch. Ein Gesandter aus Hannover nimmt Platz. Ein sächsischer Diplomat blättert durch die Papiere. Metternich eröffnet die Besprechung. "Meine Herren, wir sprechen über die künftige Ordnung Deutschlands." "Unter österreichischem Vorsitz?", fragt der Bayer. "Der Bundestag wird unter österreichischem Vorsitz stehen." "Das klingt nach einer besonders österreichischen Form der Gemeinsamkeit." Hardenberg unterdrückt ein Lächeln. Metternich bleibt vollkommen ruhig. "Sie dürfen selbstverständlich widersprechen." "Wie großzügig." "Ich bin bekannt dafür." Der Deutsche Bund erhält mit der Bundesversammlung in Frankfurt am Main ein gemeinsames Organ. Dort sitzen Gesandte der Mitgliedstaaten. Österreich führt den Vorsitz. Doch dieser Bundestag ist kein vom Volk gewähltes Parlament. Er ist eine Versammlung der Regierungen. Entscheidungen müssen zwischen Staaten ausgehandelt werden. Schon seine Konstruktion verrät, wie vorsichtig das neue Deutschland gebaut ist. Niemand möchte die Tür zur Zusammenarbeit schließen, aber ebenso wenig möchte man den Schlüssel zum eigenen Haus abgeben. "Und wenn Preußen etwas anderes will als Österreich?", fragt der sächsische Gesandte. Hardenberg antwortet: "Dann werden wir verhandeln." "Und wenn Bayern etwas anderes will als Preußen?" "Dann werden wir ebenfalls verhandeln." "Und wenn alle etwas anderes wollen?" Metternich faltet die Hände. "Dann, meine Herren, haben wir Deutschland." Für einen Moment herrscht Stille. Dann lacht sogar der Bayer. Der Scherz trifft einen wahren Kern. Der Deutsche Bund ist keine Nation mit einer Regierung, sondern ein Versuch, Verschiedenheit politisch zu organisieren. Darin liegt seine Schwäche, aber auch sein Zweck. Nach den napoleonischen Kriegen soll er Sicherheit schaffen, ohne die Staaten in einem neuen Reich aufzulösen. Doch während die Diplomaten über Sicherheit und Machtgleichgewicht sprechen, beginnt außerhalb ihrer Sitzungssäle eine andere Frage an Bedeutung zu gewinnen. Kaufleute interessiert weniger, wer in Frankfurt den Vorsitz führt. Sie wollen wissen, was geschieht, wenn ein Wagen mit Tuch die nächste Grenze erreicht. Ein paar Tage später steht Hardenberg an einem Fenster der Hofburg. Auf der Straße unter ihm hält ein Fuhrwerk. Ein Beamter kontrolliert Papiere. Der Fahrer wartet ungeduldig. Metternich tritt neben Hardenberg. "Sie beobachten einen Wagen." "Ich beobachte Deutschland." "Das ist ein Wagen." "Für Sie vielleicht." Hardenberg deutet hinunter. "Stellen Sie sich einen Händler vor, der von Königsberg an den Rhein reisen will. Er durchquert verschiedene Gebiete, begegnet Vorschriften, Abgaben, Münzen und Maßen. Politisch sagen wir ihm nun, diese Staaten gehören zu einem Deutschen Bund." "Und?" "Er wird fragen, was ihm das beim nächsten Schlagbaum nützt." Metternich schweigt einen Moment. "Der Bund wurde nicht gegründet, um seine Fässer schneller zu transportieren." "Nein. Aber vielleicht wird genau das irgendwann zum Problem." Die Kutsche setzt sich wieder in Bewegung. Ihre Räder klappern über das Pflaster und verschwinden in einer Seitengasse. Noch denkt in Wien niemand an einen Deutschen Zollverein, wie er 1834 entstehen wird. Noch gibt es keinen gemeinsamen deutschen Zollraum. Selbst Preußen muss zunächst sein eigenes kompliziertes Zollwesen ordnen. Aber die Ausgangslage ist geschaffen. Der Deutsche Bund verbindet Staaten politisch, deren Wirtschaftsräume weiterhin durch Grenzen voneinander getrennt sind. Und gerade dieser Gegensatz wird bald Menschen beschäftigen, die nicht nur in Kategorien von Dynastien und Festungen denken. Unternehmer, Kaufleute, Beamte und Ökonomen beginnen zu fragen, ob Zusammenarbeit auch auf einem anderen Gebiet möglich ist. Einer von ihnen wird Friedrich List sein. Am Abend liegt goldenes Licht über Wien. Metternich rollt eine Karte zusammen. Hardenberg greift nach seinem Mantel. "Sind Sie zufrieden mit dem Deutschen Bund?", fragt er. Metternich denkt nach. "Zufrieden ist ein gefährliches Wort für einen Staatsmann." "Dann anders. Wird er funktionieren?" "Wenn die Staaten begreifen, dass sie einander brauchen und trotzdem nicht alles miteinander teilen müssen." Hardenberg bleibt an der Tür stehen. "Das klingt beinahe fortschrittlich." "Sagen Sie das bitte nicht weiter." "Und wenn sie eines Tages mehr miteinander teilen wollen?" Metternich schaut auf die zusammengerollte Karte. "Dann wird jemand eine neue zeichnen müssen." Hardenberg geht hinaus. Auf dem Tisch bleibt die Bundesakte liegen. Sie schafft keinen deutschen Nationalstaat und keinen gemeinsamen Markt. Sie beseitigt keinen einzigen Schlagbaum zwischen Bayern und Sachsen und macht aus einem preußischen Taler keine allgemein deutsche Münze. Aber sie gibt den deutschen Staaten erstmals nach Napoleons Sturz wieder einen gemeinsamen politischen Rahmen. Damit beginnt die Geschichte dieser Erzählung nicht mit einem Zolltarif, sondern mit einem Widerspruch: Deutschland ist 1815 politisch verbunden, wirtschaftlich aber weiterhin vielfach getrennt. Schon bald wird ein Kaufmann mit seinem Wagen zeigen, was das in der Praxis bedeutet.

2. Preußen räumt im eigenen Hause auf

Hier sollte ein Bild stehen.
Karte der deutschen Zollgrenzen um 1818, vor dem deutschen Zollverein

Der Morgen über Berlin ist klar und ungewöhnlich mild. Sonnenlicht fällt durch die hohen Fenster des Finanzministeriums und legt sich auf Aktenberge, Karten und Tabellen. Die Zahlen stehen in langen Reihen auf dem Papier und warten darauf, dass irgendein Beamter ihnen einen Sinn gibt. Karl August von Hardenberg steht vor einer großen Karte des Königreichs Preußen. Neben ihm wartet ein hoher Finanzbeamter. „Sehen Sie sich unser Königreich an”, sagt Hardenberg. „Ich sehe es jeden Tag, Exzellenz.” „Dann mein Beileid.” Der Beamte blinzelt. Hardenberg deutet auf die Karte. Preußen ist nach den napoleonischen Kriegen ein merkwürdig geformter Staat. Seine Gebiete liegen weit auseinander. Zwischen den alten östlichen Provinzen an der Oder und den neuen westlichen Besitzungen am Rhein befinden sich andere deutsche Staaten. Das Königreich gleicht einem Mantel, den ein ungeschickter Schneider aus mehreren Stoffstücken zusammengenäht hat. „Wir haben neue Provinzen”, sagt Hardenberg. „Wir haben alte Provinzen. Wir haben unterschiedliche Zollregeln. Wir haben Abgaben, die hier gelten und dort nicht. Wir haben Waren, die innerhalb unseres eigenen Staates behandelt werden, als wollten sie heimlich ins Ausland fliehen.” „Die Vorschriften sind mit der Zeit gewachsen.” „Unkraut wächst ebenfalls mit der Zeit.” Der Beamte senkt den Blick. Er weiß, dass Hardenberg Reformen liebt. Noch mehr liebt Hardenberg allerdings Reformen, die schnell funktionieren. Seit der Niederlage gegen Napoleon hat Preußen gelernt, dass Tradition allein keine Armee ernährt, keine Verwaltung verbessert und keinen Staat modernisiert. Nun richtet sich der Blick auf den Handel. „Was geschieht”, fragt Hardenberg, „wenn ein Kaufmann seine Waren von einer preußischen Provinz in eine andere bringt?” „Das hängt von der Ware und der Strecke ab.” „Das ist bereits eine schlechte Antwort.” „Aber eine korrekte.” „Das macht sie noch schlimmer.” Hardenberg geht zum Fenster. Auf der Straße rollen Wagen vorbei. Berlin wächst. Händler, Handwerker und Beamte drängen durch die Stadt. Die Wirtschaft streckt ihre Glieder nach den langen Kriegsjahren, und der Handel scheint es eilig zu haben. Nur die Verwaltung trägt noch Hausschuhe. „Wir brauchen Ordnung”, sagt Hardenberg. „Einheitliche Regeln im Inneren. Eine klare Zollgrenze nach außen.” „Das bedeutet, bestehende Binnenzölle abzuschaffen.” „Genau.” „Das wird Widerstand geben.” „Natürlich. Sonst wäre es keine Reform, sondern eine Geburtstagsfeier.” Der Beamte betrachtet die Karte. „Und die Einnahmen?” „Die müssen wir an der Außengrenze sichern.” „Dann brauchen wir dort eine wirksame Verwaltung.” „Richtig.” „Neue Zollstellen.” „Richtig.” „Beamte.” „Bedauerlicherweise ebenfalls richtig.” Der Beamte erlaubt sich ein Lächeln. Hardenberg dreht sich wieder zur Karte. Was auf dem Papier einfach aussieht, ist in Wirklichkeit ein gewaltiger Umbau. Am 26. Mai 1818 erhält Preußen ein neues Zollgesetz. Die Grundidee ist kühn, gerade weil sie so vernünftig klingt. Innerhalb des preußischen Staatsgebiets sollen Waren wesentlich freier verkehren können. Die Zollkontrolle wandert an die äußeren Grenzen. Das Land reißt seine wirtschaftlichen Mauern im Inneren ein und errichtet dafür eine gemeinsame Haustür. „Wenn wir das richtig machen”, sagt Hardenberg, „muss ein Kaufmann nicht an jeder inneren Grenze behandelt werden, als sei sein Tuch ein feindliches Regiment.” „Und wenn wir es falsch machen?” „Dann werden die Schmuggler vermutlich als Erste bemerken, wo der Fehler liegt.” Genau darin liegt die Schwierigkeit. Eine Grenze auf einer Karte ist nur eine Linie. Eine Zollgrenze in der Wirklichkeit besteht aus Straßen, Flüssen, Wäldern, Dörfern, Brücken und Menschen, die erstaunlichen Einfallsreichtum entwickeln, sobald irgendwo eine Abgabe verlangt wird. Die Verwaltung muss lernen. Sie muss herausfinden, welche Waren wie hoch belastet werden können. Sind die Außenzölle zu niedrig, verliert der Staat Einnahmen und Schutzmöglichkeiten. Sind sie zu hoch, wird Schmuggel plötzlich zu einem Beruf mit glänzenden Aussichten. „Man könnte fast meinen”, sagt der Finanzbeamte, „der Zolltarif müsse so berechnet werden, dass der ehrliche Händler nicht zum Narren und der Schmuggler nicht zum Unternehmer des Jahres wird.” Hardenberg lächelt. „Schreiben Sie das nicht in die Verordnung.” „Ich hatte gehofft, es als ersten Paragraphen vorzuschlagen.” In den folgenden Jahren beginnt die neue Ordnung zu arbeiten. Händler fahren durch größere Teile Preußens, ohne an alten inneren Zollgrenzen aufgehalten zu werden. Waren bewegen sich leichter zwischen Provinzen. Die Verwaltung sammelt Zahlen über Einfuhren, Ausfuhren und Einnahmen. Tabellen füllen sich. Beamte lernen, Kontrollen zu organisieren. Die Reform ist kein Zauberspruch. Sie beseitigt nicht jede Abgabe, vereinheitlicht nicht jede wirtschaftliche Regel und macht aus Preußen über Nacht keinen vollkommenen Binnenmarkt. Aber sie verändert ein Grundprinzip. Der Staat hört auf, seine eigenen Provinzen wirtschaftlich wie misstrauische Nachbarn zu behandeln. Die Großbauern im fruchtbaren Rheinland und die ostelbischen Junker lernen miteinander in einem Markt auszukommen. Einige Jahre später sitzt Friedrich von Motz über genau jenen Zahlen, die aus diesem Experiment hervorgehen. Seit 1825 ist er preußischer Finanzminister. Vor ihm liegen Berichte aus verschiedenen Provinzen. Die Sonne scheint durch das Fenster seines Berliner Arbeitszimmers und trifft einen Stapel Akten, der sich auf seinem Schreibtisch erhebt wie ein kleines Mittelgebirge aus Papier. Motz blättert durch Tabellen. „Mehr Verkehr”, sagt er. Ein Beamter ihm gegenüber nickt. „In mehreren Regionen deutlich.” „Zolleinnahmen?” „Stabiler, als manche Gegner der Reform erwartet haben.” „Schmuggel?” Der Beamte räuspert sich. „Vorhanden.” „Das war nicht meine Frage.” „Dann lautet die Antwort: zu viel.” Motz lehnt sich zurück. „Gut.” Der Beamte sieht überrascht auf. „Gut?” „Wenn wir wissen, wo geschmuggelt wird, wissen wir wenigstens, wo unsere Verwaltung schlecht arbeitet.” „Eine bemerkenswert freundliche Betrachtung des Verbrechens.” „Ich betrachte nicht das Verbrechen freundlich. Ich betrachte Informationen freundlich.” Motz steht auf. Er besitzt weniger von Lists visionärer Ungeduld und mehr von der Nüchternheit eines Mannes, der weiß, dass große politische Ideen spätestens dann erwachsen werden müssen, wenn jemand ihre Einnahmen abrechnet. Für ihn ist die preußische Zollreform nicht nur eine Theorie. Sie ist ein laufendes System. Und dieses System spricht. Es spricht in Zahlen, Warenströmen und Einnahmen. Die Verwaltung lauscht ihm und lernt. Genau das wird bald wichtig. Denn außerhalb Preußens beobachten andere deutsche Staaten aufmerksam, was geschieht. Besonders Hessen-Darmstadt gerät unter Druck. Das Großherzogtum besitzt Gebiete, deren wirtschaftliche Verbindungen sich nicht höflich an politische Grenzen halten. Kaufleute wollen handeln, Straßen führen über fremdes Gebiet, und ringsum entstehen neue Zollvereinbarungen. Die Geographie sitzt wie ein ungebetener Berater am hessischen Kabinettstisch und erinnert die Regierung daran, dass völlige wirtschaftliche Unabhängigkeit auf einer Karte leichter aussieht als auf einer Handelsstraße. Preußen hat zunächst im eigenen Haus aufgeräumt. Nun beginnen die Nachbarn zu überlegen, ob sich aus dieser Ordnung mehr machen lässt.

3. Zwei Staaten, eine Zollgrenze nach außen

Die Sonne scheint über Leipzig, und auf dem Marktplatz herrscht schon am frühen Morgen jenes geordnete Durcheinander, das Kaufleute Geschäft und alle anderen Lärm nennen. Fuhrwerke rumpeln über das Pflaster. Händler öffnen Kisten, Gesellen tragen Ballen in die Kontore, und irgendwo streitet ein Mann so leidenschaftlich über den Preis eines Fasses, als hinge das Schicksal Sachsens davon ab. Zwischen den Marktständen steht der Tuchhändler Johann Reimann vor einer Waage und betrachtet einen Zettel. Er betrachtet ihn lange. Dann dreht er ihn um. Anschließend betrachtet er ihn noch länger. "Das kann nicht stimmen", sagt er. Der Fuhrmann neben ihm zuckt mit den Schultern. "Das Gewicht?" "Das Gewicht stimmt." "Dann ist doch alles gut." "Das Gewicht stimmt hier." Der Fuhrmann nimmt seine Mütze ab. "Wo soll es denn sonst stimmen?" Reimann hält ihm den Zettel hin. "In Preußen." "Ist das Tuch dort leichter?" "Das Tuch nicht. Das Pfund." Der Fuhrmann setzt die Mütze wieder auf. "Dann sollten Sie das Tuch dort wiegen. Vielleicht sparen Sie Pferde." Reimann sieht ihn an. "Sie halten das für lustig." "Ich werde für das Fahren bezahlt. Nicht für das Verstehen deutscher Maße." Auf dem Wagen liegen mehrere Ballen Tuch. Sie kommen aus einer sächsischen Werkstatt und sollen weiterverkauft werden. Der Zollverein hat Reimanns Geschäfte verändert. Viele frühere Zollschranken innerhalb des gemeinsamen Zollgebietes sind verschwunden. Waren können leichter zwischen Sachsen, Preußen, Bayern, Württemberg, Hessen und anderen Mitgliedstaaten verkehren. Aber die alten deutschen Staaten haben keineswegs beschlossen, deshalb plötzlich alles gleich zu machen. Unterschiedliche Maße, Gewichte und Münzen begleiten den Handel weiterhin wie eine Schar kleiner Kobolde, die beschlossen hat, jede Rechnung persönlich zu beleidigen. Reimann nimmt sein Notizbuch. "Also noch einmal. Wie viel haben wir?" Der Gehilfe neben ihm nennt die Menge. Reimann rechnet. Dann blättert er in einer Tabelle. Dann rechnet er erneut. Schließlich betrachtet er den Himmel. "Was suchen Sie dort?", fragt der Fuhrmann. "Ein Land, in dem ein Pfund überall ein Pfund ist." "Sehen Sie eines?" "Nein." "Dann sollten wir weiterarbeiten." Reimann klappt das Buch zu. "Wir haben die Zollgrenze abgeschafft und dafür herausgefunden, dass ein Pfund mehrere Gewichte besitzt." "Vielleicht ist das der deutsche Beitrag zur Mathematik." Reimann muss lachen. Wenig später kommt der Fabrikant Heinrich Berger über den Platz. Berger besitzt eine mechanisierte Tuchproduktion am Rand der Stadt. Er trägt einen guten dunklen Rock, eine silberne Uhr und den Gesichtsausdruck eines Mannes, der selbst Sonnenschein danach beurteilt, ob er die Produktionskosten senken könnte. "Herr Reimann", ruft er. "Meine Ware?" "Liegt auf dem Wagen." "Ausgezeichnet." "Das sage ich erst, wenn ich weiß, wie viel davon auf der anderen Seite der nächsten Landesgrenze noch existiert." Berger runzelt die Stirn. "Was soll das heißen?" "Maße und Gewichte." Berger winkt ab. "Rechnen Sie um." "Das tue ich seit einer Stunde." "Dann rechnen Sie schneller." "Eine bemerkenswerte technische Innovation." Berger lächelt. "Sie wollten einen größeren Markt." "Ja." "Jetzt haben Sie ihn." "Ich hätte gern noch ein gemeinsames Maß dazu." "Sie sind anspruchsvoll geworden." Reimann zeigt auf die Warenballen. "Zollfreiheit allein macht noch keinen vollkommen einheitlichen Markt." Berger nickt. "Nein. Aber sie macht einen größeren." Genau deshalb ist Berger gekommen. Vor wenigen Jahren hat er hauptsächlich für Kunden in Sachsen produziert. Nun denkt er anders. Dresden und Leipzig bleiben wichtig, aber seine Geschäftsbriefe gehen auch nach Berlin, Frankfurt, Kassel und in süddeutsche Städte. Eine Bestellung aus Bayern ist für ihn keine exotische Nachricht mehr. Der Zollverein hat den Horizont seiner Fabrik erweitert. Wo vorher mehrere kleine Märkte nebeneinanderliegen, beginnt Berger einen größeren Absatzraum zu sehen. "Ich habe eine neue Maschine bestellt", sagt er. Reimann sieht ihn an. "Noch eine?" "Sie arbeitet schneller." "Natürlich." "Und gleichmäßiger." "Natürlich." "Wir können dadurch mehr Tuch herstellen." "Natürlich." Reimann deutet auf seinen Zettel. "Vielleicht kann die Maschine auch preußische Pfunde in sächsische verwandeln." "Dafür haben wir Kaufleute." "Jetzt verstehe ich endlich meine gesellschaftliche Aufgabe." Ein dritter Mann bleibt stehen. Er heißt Georg Seidel und ist Schneidermeister. Seine Werkstatt liegt nur wenige Straßen entfernt. Zwei Gesellen arbeiten für ihn, außerdem bildet er einen Lehrling aus. Seidel kennt Berger. Er kennt auch dessen Tuch. Vor allem kennt er dessen Preise. "Mehr Tuch?", fragt Seidel. Berger nickt zufrieden. "Mehr und günstiger." "Für Sie erfreulich." "Für Sie ebenfalls. Sie können billiger einkaufen." Seidel betrachtet die Ballen. "Vielleicht." Berger bemerkt den Ton. "Sie klingen nicht begeistert." "Soll ich?" "Ein größerer Markt bringt mehr Handel." "Und mehr Konkurrenz." "Das gehört zusammen." "Für jemanden mit einer Fabrik klingt das vermutlich sehr vernünftig." Berger verschränkt die Arme. "Was wollen Sie damit sagen?" Seidel deutet auf den Markt. "Früher konkurriere ich hauptsächlich mit den Schneidern und Tuchmachern aus der Umgebung. Jetzt kommen Waren aus weiter entfernten Gegenden leichter hierher. Manche sind billiger als das, was kleine Werkstätten herstellen können." "Und dafür können auch Sie weiter entfernt verkaufen." Seidel lacht. "Meine zwei Gesellen und ich werden Bayern erobern. Ich teile es ihnen nach dem Mittagessen mit." Reimann unterdrückt ein Lächeln. Berger dagegen bleibt ernst. "Niemand behauptet, dass jede Veränderung für jeden gleich angenehm ist." "Das klingt vernünftig, wenn man zu denen gehört, für die sie angenehm ist." Für einen Augenblick schweigen die drei Männer. Der Marktplatz spricht an ihrer Stelle weiter. Händler rufen Preise aus. Wagen bringen neue Waren. Käufer vergleichen Angebote. Wettbewerb ist kein Wort in einer Abhandlung. Er steht hier in Kisten, Ballen und Fässern auf dem Pflaster. Der Zollverein vergrößert Märkte. Genau darin liegt sein wirtschaftlicher Reiz. Aber ein größerer Markt bedeutet nicht nur mehr Kunden. Er bedeutet auch mehr Anbieter. Ein Fabrikant, der günstig und in großen Mengen produzieren kann, sieht darin eine Gelegenheit. Ein kleiner Handwerker kann darin zugleich eine Bedrohung erkennen. Beides kann gleichzeitig wahr sein. "Sie könnten Ihre Werkstatt vergrößern", sagt Berger. Seidel schaut ihn an. "Mit welchem Geld?" "Investieren." "Mit welchem Geld?" "Einen Kredit aufnehmen." "Bei wem?" Berger öffnet den Mund. Seidel hebt die Hand. "Sie sehen das Problem." Reimann mischt sich ein. "Vielleicht sollten wir wenigstens feststellen, dass Herr Berger nicht persönlich den Untergang des Handwerks geplant hat." "Danke", sagt Berger. "Ich hatte gehofft, diesen Verdacht noch vor dem Mittagessen auszuräumen." "Ich beschuldige ihn nicht", sagt Seidel. "Ich sage nur, dass ein größerer Markt für einen Mann mit Kapital etwas anderes bedeutet als für einen Mann mit einer Werkbank." Hinter ihnen ertönt eine Stimme. "Und für einen Mann ohne beides bedeutet er wieder etwas anderes." Sie drehen sich um. Der Sprecher ist Martin Krüger, ein Arbeiter aus Bergers Betrieb. Er hat eine Lieferung begleitet und wartet darauf, dass die leeren Wagen zurückfahren. Seine Kleidung ist schlicht. An seinen Händen sieht man die Arbeit. Berger wirkt überrascht. "Krüger." "Herr Berger." "Was bedeutet der Zollverein denn für Sie?" Krüger denkt nach. "Heute?" "Heute." "Dass ich hoffe, das Brot wird nicht teurer." Reimann lächelt. "Eine bemerkenswert kurze wirtschaftspolitische Theorie." "Ich habe eine Frau und drei Kinder. Das kürzt wirtschaftspolitische Theorien." Berger räuspert sich. "Wenn unsere Fabrik mehr verkauft, haben Sie Arbeit." "Das stimmt." "Wenn wir wachsen, brauchen wir vielleicht mehr Arbeiter." "Auch das stimmt." "Dann profitieren Sie doch ebenfalls." Krüger nickt. "Wenn der Lohn reicht." Berger schweigt. "Und wenn das Brot bezahlbar bleibt", fügt Krüger hinzu. Seidel lächelt dünn. "Jetzt wird der Markt kompliziert." "Er war nie einfach", sagt Reimann. Die vier gehen in ein nahegelegenes Gasthaus. Es ist noch früh genug, dass sie einen Tisch am Fenster bekommen. Sonnenlicht fällt auf die Holzdielen. Die Wirtin bringt Brot, Käse und Bier. Krüger betrachtet das Brot. "Da", sagt er. "Meine Statistik." Berger lacht. "Sie geben nicht auf." "Warum sollte ich? Wenn der Brotpreis steigt, bemerkt meine Familie das schneller als jede Regierung." Reimann zieht eine Münze aus der Tasche und legt sie auf den Tisch. "Da wir schon bei Dingen sind, die den Handel erfreulich machen, betrachten wir das." Seidel nimmt die Münze. "Geld." "Sehr gut. Sie könnten Kaufmann werden." "Ich lehne dankend ab." Reimann legt eine zweite Münze daneben. "Andere Münze, anderer Staat." Dann eine dritte. "Noch eine." Krüger betrachtet sie. "Sind sie wenigstens gleich viel wert?" Reimann lächelt. "Was glauben Sie?" Krüger schiebt die Münzen zurück. "Ich glaube, ich möchte meinen Lohn in Brot erhalten." "Der Zollverein beseitigt nicht automatisch die Vielfalt der deutschen Währungen", erklärt Reimann. "Wir rechnen weiterhin um." Seidel hebt sein Glas. "Auf die deutsche Einheit." Berger schaut ihn an. "Welche?" "Die Einheit darin, dass überall anders gerechnet wird." Sie lachen. Selbst Berger. Der gemeinsame Wirtschaftsraum ist 1838 noch weit davon entfernt, vollkommen vereinheitlicht zu sein. Münzfragen werden zwar zunehmend Gegenstand zwischenstaatlicher Vereinbarungen, doch im Alltag existieren weiterhin unterschiedliche Systeme. Auch Maße und Gewichte unterscheiden sich. Händler benötigen Tabellen, Erfahrung und Geduld. Ein gemeinsamer Zollraum ist entstanden, aber wirtschaftliche Integration ist kein Schalter, den man umlegt. Sie ist eher eine Tür, hinter der weitere Türen warten. "Dann brauchen wir gemeinsame Maße", sagt Berger. "Und gemeinsame Gewichte", ergänzt Reimann. "Und einfacheres Geld", sagt Seidel. Krüger nimmt ein Stück Brot. "Und vernünftige Löhne." Berger sieht ihn an. "Das stand nicht auf meiner Liste." "Deshalb habe ich es ergänzt." Wieder lachen sie, doch diesmal bleibt etwas Ernstes im Raum. Wirtschaftswachstum lässt sich in Zahlen messen. Mehr Waren werden produziert. Größere Märkte entstehen. Handel nimmt zu. Doch Menschen erleben dieselbe Entwicklung unterschiedlich. Der Fabrikant denkt an Absatz. Der Handwerker an Konkurrenz. Der Kaufmann an Preise, Maße und Wechselkurse. Der Arbeiter an Beschäftigung, Lohn und Lebensmittel. Der Markt trägt viele Gesichter, und nicht alle lächeln zur selben Zeit. Am Nachmittag gehen Berger und Krüger gemeinsam zurück zur Fabrik. Seidel begleitet sie ein Stück. Reimann bleibt auf dem Markt zurück, wo er sich erneut seinen Umrechnungstabellen widmet. "Herr Berger", sagt Krüger unterwegs. "Ja?" "Sie sagen, die neue Maschine macht mehr Tuch." "Viel mehr." "Braucht sie mehr Arbeiter?" Berger zögert. "Andere Arbeit." "Das war nicht meine Frage." "Manche Arbeit wird schneller erledigt. Dafür wächst vielleicht die Produktion." "Vielleicht." Berger schaut ihn an. "Sie mögen dieses Wort nicht." "Von vielleicht kann man kein Brot kaufen." Seidel geht schweigend neben ihnen. Die Fabrik taucht vor ihnen auf. Aus einem Schornstein steigt Rauch in den blauen Himmel. Durch die geöffneten Fenster ist das rhythmische Geräusch der Maschinen zu hören. Die Maschine kennt weder Sachsen noch Preußen. Sie kennt keine Zunftordnung und keinen Zolltarif. Sie arbeitet. Schnell, regelmäßig und ohne sich darüber Gedanken zu machen, welche menschlichen Gewohnheiten sie dabei verändert. "Sehen Sie", sagt Berger und deutet auf das Gebäude. "Dort liegt die Zukunft." Seidel betrachtet die Fabrik. "Das sagen gewöhnlich die Menschen, denen sie gehört." Berger lächelt. "Und was sagen Sie?" Seidel blickt auf seine Hände. "Dass ich hoffe, in dieser Zukunft noch gebraucht zu werden." Krüger schaut ebenfalls zur Fabrik. "Ich hoffe, dasselbe." Berger antwortet nicht sofort. Zum ersten Mal an diesem Tag betrachtet er sein Unternehmen nicht nur als Ansammlung von Maschinen, Aufträgen und Zahlen. Hinter jedem Wachstum stehen Menschen. Manche steigen mit ihm auf. Manche geraten unter Druck. Manche wissen noch nicht, zu welcher Gruppe sie gehören werden. Am Abend kehrt Reimann mit seinen Warenlisten nach Hause zurück. Auf seinem Schreibtisch liegen Tabellen über Maße, Gewichte und Münzen verschiedener deutscher Staaten. Er nimmt eine Feder und versucht erneut, eine Rechnung zu prüfen. Nach einigen Minuten erscheint sein Gehilfe in der Tür. "Stimmt es jetzt?" Reimann sieht auf die Zahlen. "Nein." "Was ist falsch?" "Entweder meine Rechnung oder Deutschland." "Was vermuten Sie?" Reimann legt die Feder hin. "Ich beginne mit Deutschland." Der Gehilfe lacht. Reimann ebenfalls. Dann zieht er eine weitere Tabelle heran. Draußen sinkt die Sonne über Leipzig. Auf den Straßen fahren noch immer Warenwagen durch die Stadt. Der Zollverein hat viele Schlagbäume beseitigt, aber er hat nicht alle Hindernisse beseitigt. Ein Pfund ist noch nicht überall dasselbe Pfund. Eine Münze besitzt nicht überall denselben Namen oder Wert. Ein größerer Markt macht einen Fabrikanten nicht automatisch reich und einen Arbeiter nicht automatisch wohlhabend. Er schafft Möglichkeiten und Konkurrenz zugleich. Er kann Preise verändern, Unternehmen wachsen lassen und alte Gewerbe unter Druck setzen. Vor allem aber zwingt er immer mehr Menschen, über die Grenzen ihres bisherigen Wirtschaftslebens hinauszudenken. Am nächsten Morgen begegnen sich Berger, Seidel und Krüger wieder vor der Fabrik. Die Sonne scheint. Ein Wagen steht bereit, beladen mit Tuch für einen Kunden außerhalb Sachsens. Reimann kommt über die Straße und reicht Berger die fertigen Papiere. "Alles berechnet." "Sind Sie sicher?" "Nein." "Herr Reimann." "So sicher, wie man in Deutschland bei einem Pfund sein kann." Berger nimmt die Unterlagen. Der Fuhrmann steigt auf den Bock. "Wohin geht die Ware?", fragt Krüger. "Nach Preußen", sagt Berger. Seidel sieht dem Wagen nach. "Ein größerer Markt." Berger nickt. "Mehr Kunden." Seidel ergänzt: "Mehr Konkurrenz." Krüger sagt: "Mehr Arbeit, wenn wir Glück haben." Reimann hebt seine Tabelle. "Mehr Rechnerei, ganz sicher." Der Wagen setzt sich in Bewegung. Vier Männer sehen ihm nach und sehen vier verschiedene Dinge. Der Fabrikant sieht einen Absatzmarkt. Der Handwerker sieht einen Konkurrenten. Der Arbeiter sieht seinen möglichen nächsten Lohn. Der Kaufmann sieht ein anderes Gewichtssystem auf sich zukommen. Keiner von ihnen hat völlig recht. Keiner völlig unrecht. Vielleicht liegt gerade darin die wichtigste Erkenntnis dieses sonnigen Morgens: Ein gemeinsamer Markt besitzt nicht nur Gewinner. Und selbst seine Gewinner gewinnen nicht dasselbe.

4. Was Frankreich und Großbritannien anders machen

Hier sollte ein Bild stehen.
Der Wirtschaftstheoretiker Daniel Friedrich List (stehend) im Gespräch mit einem französischen Kaufmann, 1835 in Paris

Der Morgen über Paris ist hell, und die Sonne lässt die Seine funkeln, als hätte der Fluss beschlossen, sich für die Besucher der Stadt besonders herauszuputzen. Auf den Straßen rollen Kutschen, Händler öffnen ihre Läden, Lastwagen bringen Waren zu den Märkten. Friedrich List steht auf der Terrasse eines Gasthauses und betrachtet das geschäftige Treiben. Neben ihm sitzt ein französischer Kaufmann namens Étienne Moreau beim Frühstück. Auf dem Tisch liegen Brot, Käse, Kaffee und mehrere Zeitungen. List hält einen Brief in der Hand. „Sie sehen aus, als habe Ihnen jemand eine Rechnung geschickt”, sagt Moreau. „Schlimmer.” „Eine Steuerforderung?” „Ein Bericht über den englischen Handel.” Moreau schenkt Kaffee ein. „Dann verstehe ich Ihre schlechte Laune.” List setzt sich. „Meine Laune ist ausgezeichnet.” „Sie betrachten seit zehn Minuten die Seine, als wäre sie persönlich für Deutschlands wirtschaftliche Probleme verantwortlich.” „Ich beneide Sie.” „Mich?” „Frankreich.” Moreau schneidet Brot ab. „Das ist etwas anderes. Mich sollten Sie erst kennenlernen, bevor Sie mich beneiden.” List legt den Brief auf den Tisch. „Wenn Sie Waren von Paris nach Lyon bringen, wie viele souveräne Staaten passieren Sie?” „Keinen.” „Wie viele Zollgrenzen zwischen französischen Fürstentümern?” „Keine.” „Wie viele Regierungen müssen sich darüber einigen, welcher Tarif unterwegs gilt?” Moreau lächelt. „Keine, so eine Steuer auf Transport gibt es hier nicht. Dafür gibt es die Taille auch die Kopfsteuer oder Zwanzigstel genannt.” „Sehen Sie.” „Ich sehe vor allem, dass Sie mir mein Frühstück in eine wirtschaftspolitische Vorlesung verwandeln.” „Das geschieht Ihnen recht. Sie haben den Kaffee angeboten. Dann nehme ich immer fahrt auf.” „Ohne Kolonien haben sie keine Übung im Kaffee trinken, N’est-ce pas?” List steht wieder auf. Frankreich besitzt etwas, das den deutschen Ländern fehlt. Einen großen zusammenhängenden Staatsraum. Die Revolution hat alte Privilegien und zahlreiche innere Schranken hinweggefegt. Napoleon hat Verwaltung und Gesetzgebung weiter vereinheitlicht. Auch nach seinem Sturz bleibt Frankreich politisch zentralisiert. Paris entscheidet für ein großes Land. Ein Händler muss nicht mit jedem Département einen Vertrag schließen, bevor seine Waren weiterreisen dürfen. „Natürlich haben wir Zölle”, sagt Moreau. „Aber an der Grenze Frankreichs.” „Genau.” „Und wir schützen manche Waren.” „Auch das weiß ich.” „Dann klingt Ihr Neid etwas zu freundlich.” List dreht sich um. „Ich beneide Frankreich nicht um jede Vorschrift. Ich beneide Sie um die Größe des Raumes, für den eine Vorschrift gilt.” Moreau nickt langsam. „Sie Deutschen haben dafür viele Regierungen.” „Eine erstaunliche Menge.” „Vielleicht sind Sie besonders gut regiert.” „Wenn die Anzahl der Regierungen ein Maßstab dafür wäre, müssten wir das glücklichste Volk Europas sein.” Moreau lacht. Draußen ruft ein Händler seine Waren aus. Die Stadt ist ein riesiger Marktplatz, dessen Straßen Waren, Menschen und Geld verschlucken und an anderer Stelle wieder ausspucken. Der Handel besitzt hier Raum. Ein Produzent in Lyon kann an Kunden in Paris denken. Ein Händler in Bordeaux kann Waren weit ins Landesinnere bringen. Natürlich gibt es Transportkosten, Vorschriften und Steuern. Doch der französische Kaufmann bewegt sich innerhalb eines großen politischen Körpers. Frankreich muss seinen Binnenmarkt nicht jeden Morgen neu zwischen mehreren Fürsten aushandeln. „Sie suchen also nach einem französischen Deutschland”, sagt Moreau. List schüttelt den Kopf. „Nein.” „Aber Sie wollen einen großen gemeinsamen Markt.” „Ja.” „Dann brauchen Sie einen gemeinsamen Staat.” „Das ist genau die Frage.” Moreau legt das Messer beiseite. „Welche?” „Ob wirtschaftliche Einheit auch entstehen kann, bevor politische Einheit besteht.” Wenige Wochen später steht List in London. Der Himmel ist überraschend freundlich. List betrachtet das mit Misstrauen. Über England hat man ihm Regen versprochen, und er empfindet das schöne Wetter beinahe als Vertragsbruch. Die Themse liegt breit vor ihm. Schiffe drängen sich an den Kais. Männer tragen Kisten, Fässer und Säcke. Kräne heben Waren aus Schiffsbäuchen. Baumwolle, Zucker, Tee, Holz, Metalle und unzählige andere Güter gelangen aus aller Welt in die Stadt. Der Hafen scheint niemals zu schlafen. Er gähnt höchstens gelegentlich zwischen zwei Schiffsladungen. Neben List steht der britische Kaufmann William Ashcroft. „Beeindruckt?”, fragt Ashcroft. „Leider ja.” „Warum leider?” „Ich wäre lieber von etwas Deutschem beeindruckt.” „Sie haben gutes Bier.” „Das wird uns im Wettbewerb mit Ihren Fabriken retten.” Ashcroft lacht. „Kommen Sie nach Manchester. Danach werden Sie das Bier brauchen.” Genau dort liegt der Unterschied zu Frankreich. Großbritannien besitzt nicht nur einen großen Binnenmarkt. Es befindet sich mitten in einer industriellen Umwälzung. Fabriken produzieren Waren in Mengen, die vor wenigen Jahrzehnten kaum vorstellbar gewesen wären. Dampfmaschinen treiben Maschinen an. Kohle und Eisen gewinnen neue Bedeutung. Kanäle und Straßen verbinden Produktionsorte mit Häfen. Die ersten Eisenbahnen zeigen bereits, dass selbst die Entfernung ihre alte Macht verlieren könnte. Die Industrie ist ein hungriger Riese, der Kohle frisst und Waren ausspuckt. „Ihre Fabriken produzieren immer mehr”, sagt List. „Das ist der Sinn einer Fabrik.” „Und dafür brauchen Sie Käufer.” „Natürlich.” „Also Märkte.” „Sehr richtig.” „Im Inland und im Ausland.” Ashcroft sieht ihn an. „Sie haben offenbar schon einmal Handel betrieben.” „Nein. Ich habe nur gelernt, dass selbst die komplizierteste Wirtschaft irgendwann bei der Frage endet, wer etwas kauft.” Sie gehen am Hafen entlang. Kapitäne rufen Befehle. Ein Schiff wird entladen. Ein anderes bereitet sich zur Abfahrt vor. Das britische Handelsnetz reicht weit über Europa hinaus. Kolonien, Häfen und Handelsstützpunkte verbinden Großbritannien mit Märkten und Rohstoffen in vielen Teilen der Welt. London ist dabei nicht nur Hauptstadt eines Königreiches. Es ist ein Knoten in einem weltweiten Netz. „Bei uns streitet man über die Frage”, sagt Ashcroft, „wie stark wir unsere Wirtschaft schützen sollen.” „Ihre Getreidezölle.” „Zum Beispiel.” „Die Corn Laws.” Ashcroft nickt. „Die einen wollen Schutz für die Landwirtschaft. Andere wollen günstigere Einfuhren und freieren Handel.” List lächelt bitter. „Sie streiten also darüber, wie offen die äußere Tür sein soll.” „So könnte man es sagen.” „Wir Deutschen streiten noch darüber, wie viele Türen wir innerhalb des Hauses brauchen.” Ashcroft sieht ihn einen Moment an. „Das klingt unbequem.” „Für Zollbeamte ist es vermutlich ein ausgezeichnetes Geschäftsmodell.” Von London reist Lists Blick gedanklich weiter nach Manchester. Dort wachsen Fabriken, Arbeiterviertel und Lagerhäuser. Die Stadt ist eines der sichtbarsten Symbole der neuen Industrie. Baumwolle gelangt über Liverpool ins Land, wird verarbeitet und anschließend wieder verkauft. Kapital, Maschinen, Verkehrswege und ein großer Markt greifen ineinander. Ein Zahnrad setzt das nächste in Bewegung. List versteht immer deutlicher, dass Zollpolitik allein keine Fabriken baut. Ein Vertrag errichtet keine Dampfmaschine. Ein gemeinsamer Tarif gräbt keine Kohle aus dem Boden. Aber ein großer Markt kann den Boden bereiten, auf dem Investitionen lohnender werden. Einige Monate später befindet sich List in den Niederlanden. In Rotterdam betrachtet er Schiffe auf der Maas. Auch hier zeigt sich eine andere Form wirtschaftlicher Stärke. Die Lage an großen Flüssen und der Zugang zur Nordsee machen die niederländischen Häfen zu Toren Europas. Amsterdam und Rotterdam verbinden das Hinterland mit dem Welthandel. Neben List steht ein niederländischer Händler namens van der Velde. „Wir besitzen nicht die Bevölkerung Frankreichs”, sagt van der Velde. „Und nicht die Kohle Englands.” „Aber Häfen.” „Häfen, Schiffe und Kaufleute.” „Kaufleute besitzen wir ebenfalls.” „Dann fehlt Ihnen nur noch der Rest.” List lacht. „Sie Niederländer sind erstaunlich bescheiden.” „Bescheidenheit lässt sich leichter pflegen, wenn die Schiffe voll sind.” Doch während List die wirtschaftlichen Möglichkeiten dieses Raumes betrachtet, gerät das politische Gefüge ins Wanken. Im Süden des Vereinigten Königreichs der Niederlande bricht 1830 die belgische Revolution aus. Belgien löst sich vom Norden. Aus einem gemeinsamen Staat werden zwei. Plötzlich zeigt Europa List auch die umgekehrte Bewegung. Grenzen können verschwinden. Grenzen können aber ebenso neu entstehen. Politik zeichnet Linien, und der Handel muss anschließend herausfinden, wie er mit ihnen lebt. Zurück in Berlin ist es ein klarer Herbsttag. Friedrich von Motz sitzt in seinem Arbeitszimmer. Vor ihm liegen Berichte über Zolleinnahmen, Handelswege und Verhandlungen mit deutschen Staaten. Als List eintritt, blickt der Finanzminister nur kurz auf. „Herr List.” „Herr Minister.” „Man sagt, Sie seien in halb Europa unterwegs gewesen.” „Nur in der wirtschaftlich interessanten Hälfte.” Motz legt die Feder nieder. „Das wird die andere Hälfte freuen.” List tritt an die große Karte an der Wand. „Ich habe Frankreich gesehen. England. Die Niederlande.” „Und sind Sie nun klüger?” „Besorgter.” „Das klingt bei Ihnen gewöhnlich ähnlich.” List zieht einen Stuhl heran. „Die Engländer haben Manchester. Was haben wir?” Motz lehnt sich zurück. „Berlin.” „Sie wissen, was ich meine.” „Leider.” „Die Engländer besitzen Fabriken, Häfen, Kapital und einen großen Markt.” „Und Sie glauben, ein Zollvertrag baut uns Manchester?” List sieht ihn an. „Nein. Aber hundert Schlagbäume bauen es gewiss nicht.” Motz schweigt. List kennt dieses Schweigen. Es bedeutet nicht Ablehnung. Es bedeutet, dass der Minister rechnet. Motz vertraut Zahlen mehr als großen Worten. List wiederum betrachtet große Worte als gelegentlich notwendige Methode, damit Menschen endlich anfangen zu rechnen. „Frankreich”, sagt List, „besitzt einen großen Binnenmarkt, weil es ein großer Staat ist. Großbritannien ebenfalls. Beide können ihre inneren Handelsregeln für einen großen Raum festlegen.” „Deutschland ist weder Frankreich noch Großbritannien.” „Eben.” „Wir haben souveräne Staaten.” „Auch das weiß ich.” „Bayern wird seine Rechte nicht abgeben, nur weil Manchester Baumwolle verarbeitet.” „Das verlange ich nicht.” Motz hebt eine Braue. „Sie verlangen ständig Dinge.” „Dann verlange ich diesmal etwas Bescheideneres.” „Das wäre historisch bemerkenswert.” List ignoriert den Einwurf. „Unsere Staaten müssen nicht politisch verschwinden. Aber sie können wirtschaftlich zusammenarbeiten.” Motz steht auf und geht zur Karte. Preußen zieht sich in einer eigentümlichen Gestalt durch Deutschland. Daneben liegen Sachsen, Bayern, Württemberg, Hessen und viele weitere Staaten. Die Karte sieht aus wie ein Teppich, auf dem jeder Fürst darauf bestanden hat, sein eigenes Muster zu sticken. „Wir haben mit Hessen Darmstadt begonnen”, sagt Motz. „Genau.” „Und das funktioniert nicht deshalb, weil wir Reden über Deutschland halten.” „Nein.” „Es funktioniert, weil wir Tarife vereinbaren, Einnahmen verteilen und Verwaltungen aufeinander abstimmen.” List lächelt. „Sie sagen das, als widersprächen Sie mir.” „Das tue ich aus Gewohnheit.” „Dabei beweisen Sie gerade meinen Punkt.” Motz setzt sich wieder. „Ihr Punkt ist gewöhnlich größer als mein Schreibtisch.” „Diesmal passt er darauf. Ein größerer Markt schafft Möglichkeiten, die kleine Einzelmärkte nicht bieten können.” „Das bestreite ich nicht.” „Dann sind wir uns einig.” „Seien Sie vorsichtig. Wenn sich das herumspricht, verliere ich meinen Ruf.” List geht zum Fenster. Die Sonne steht über Berlin. Auf der Straße fährt ein Wagen vorbei. „In England verbinden Kanäle und neue Eisenbahnen Fabriken mit Häfen. Waren bewegen sich schneller. Kapital bewegt sich schneller. Menschen bewegen sich schneller.” „Und Sie wollen Eisenbahnen.” „Selbstverständlich.” „Sie wollen immer Eisenbahnen.” „Weil Straßen ausgezeichnet sind, wenn man Zeit besitzt.” Motz lächelt. „Und wer soll sie bezahlen?” „Menschen, die daran verdienen wollen.” „Eine gefährliche Gruppe.” „Für einen Finanzminister vielleicht.” Motz nimmt einen Bericht zur Hand. „Sie denken an Industrie. Ich denke an Einnahmen.” „Beides gehört zusammen.” „Nicht immer.” „Aber häufiger, als Sie zugeben.” Motz betrachtet die Zahlen. „Ein größerer Zollraum erleichtert Handel. Mehr Handel kann höhere und verlässlichere Einnahmen bringen. Eine gemeinsame Außengrenze kann die Verwaltung vereinfachen.” „Und größere Absatzmärkte können Produktion fördern.” „Können.” „Sie lieben dieses Wort.” „Es schützt mich vor Leuten, die aus Möglichkeiten Gewissheiten machen.” List setzt sich wieder. „Gut. Dann sagen wir es vorsichtig. Ein gemeinsamer Markt garantiert keine Industrialisierung. Aber kleine zersplitterte Märkte können sie erschweren.” „Damit kann ich leben.” „Ein historischer Augenblick.” „Schreiben Sie ihn nicht auf.” Für einige Minuten sprechen beide nicht. Vor ihnen liegt die Karte Deutschlands. Frankreich besitzt seinen großen Markt innerhalb eines zentralisierten Staates. Großbritannien verbindet seinen Binnenmarkt mit früher Industrialisierung und einem weltweiten Handelsnetz. Die Niederlande nutzen Häfen, Flüsse und Seehandel. Belgien zeigt gerade, wie politische Umbrüche neue Grenzen schaffen können. Deutschland aber steht vor einer anderen Aufgabe. Es besitzt keinen Staat, der einfach beschließen kann, aus den vielen deutschen Ländern einen einzigen Wirtschaftsraum zu machen. Wenn ein größerer Markt entstehen soll, müssen Regierungen miteinander verhandeln. Sie müssen Interessen ausgleichen. Sie müssen Regeln vereinbaren, obwohl sie politisch selbstständig bleiben wollen. „Vielleicht”, sagt List, „ist gerade unsere Schwäche unsere Möglichkeit.” Motz blickt auf. „Das klingt verdächtig philosophisch.” „Frankreich braucht keinen Vertrag zwischen dreißig Fürsten, um einen Binnenmarkt zu besitzen.” „Richtig.” „Wir schon.” „Leider.” „Warum leider?” Motz sieht ihn an. „Weil dreißig Regierungen dreißig Meinungen besitzen.” „Mindestens.” „Und jede hält ihre eigene für unverzichtbar.” „Auch das ist nicht völlig unbekannt.” „Sie nennen das eine Möglichkeit?” List nickt. „Wenn es gelingt, dann lernen diese Staaten etwas, was Frankreich innerhalb seiner Grenzen kaum lernen muss.” „Was?” „Zusammenzuarbeiten, ohne sich politisch aufzulösen.” Motz schweigt. Draußen fährt eine Kutsche vorbei. Die Stadt rauscht hinter den Fenstern. „Sie meinen, der Zollverein könnte mehr sein als Zollpolitik.” „Ich meine, dass niemand heute wissen kann, was daraus wird.” „Das klingt vernünftiger.” „Aber wir können erkennen, was wir gerade versuchen.” List tritt zur Karte und legt die Hand auf die deutschen Staaten. „Die Franzosen besitzen ihren großen Markt, weil Frankreich bereits politisch vereinigt ist. Die Briten ebenfalls. Wir müssen einen großen Markt schaffen, obwohl unsere Staaten getrennt bleiben.” Motz kommt neben ihn. „Und jeder möchte seine Rechte behalten.” „Ja.” „Seine Einnahmen.” „Ja.” „Seine Regierung.” „Ja.” „Seinen Fürsten.” List lächelt. „Davon besitzen wir ohnehin genug.” Motz lacht. Dann betrachtet er wieder die Karte. Was zwischen Preußen und Hessen Darmstadt begonnen hat, wirkt plötzlich größer. Nicht weil ein Vertrag Deutschland vereinigt hätte. Das hat er nicht. Nicht weil die deutschen Staaten aufgehört hätten, miteinander zu konkurrieren. Auch das tun sie nicht. Sondern weil ein neues Prinzip erprobt wird. Staaten können wirtschaftliche Grenzen gemeinsam beseitigen, ohne ihre politische Existenz aufzugeben. Sie können Regeln teilen, ohne alle Entscheidungen zu teilen. Sie können einen Markt gemeinsam vergrößern, obwohl jeder von ihnen seinen eigenen Platz auf der Karte verteidigt. Die Zusammenarbeit sitzt wie ein neuer Gast am Tisch der europäischen Politik. Noch kennt niemand ihre Manieren. „Die Engländer haben Manchester”, sagt Motz schließlich. List nickt. „Ja.” „Die Franzosen haben ihren großen Binnenmarkt.” „Ja.” „Und wir haben Hessen Darmstadt.” List schaut ihn an. „Jeder muss irgendwo anfangen.” Motz lächelt. Draußen sinkt die Sonne langsam über Berlin. Auf den Straßen rollen Warenwagen nach Osten und Westen. Einige werden noch viele Grenzen passieren. Andere bewegen sich bereits durch einen größer gewordenen Zollraum. Europa zeigt den deutschen Staaten, was große Märkte ermöglichen können. Aber es liefert ihnen keine einfache Anleitung, wie sie selbst einen solchen Markt schaffen sollen. Diese müssen sie eigenhändig schreiben. Mit Verträgen, Tabellen, Verhandlungen und einer erstaunlichen Menge Tinte. Frankreich besitzt die Einheit bereits. Großbritannien ebenfalls. Die deutschen Fürstentümer dagegen müssen lernen, sie dort zu erfinden, wo sie ihnen nützt, ohne sie dort zu erzwingen, wo sie sie fürchten. Vielleicht liegt gerade darin das Bemerkenswerte ihres Experiments. Sie bauen keinen gemeinsamen Staat. Sie bauen zunächst eine gemeinsame Tür und beginnen zu entdecken, wie viel größer die Welt dahinter werden kann.

5. Grenzenlos handeln

Die Sonne steht über Frankfurt, und der Main trägt ihr Licht in kleinen goldenen Wellen durch die Stadt. Auf der Alten Brücke drängen sich Fuhrwerke, Reisende und Händler. Fässer mit Wein kommen vom Rhein, Tuch aus Sachsen, Metallwaren aus dem preußischen Westen. Pferde ziehen schwere Wagen über das Pflaster, und die Stadt nimmt den Handel auf wie ein großer Marktplatz mit Kirchtürmen. Zwei Männer stehen am Ufer und beobachten einen Wagen, der langsam in Richtung Innenstadt fährt. Der eine ist Friedrich List. Der andere ist ein österreichischer Diplomat namens Freiherr von Steinbach, ein Mann mit tadellos gebundenem Halstuch und jener ruhigen Höflichkeit, hinter der Diplomaten ihre schärfsten Einwände aufzubewahren pflegen. "Sie sehen zufrieden aus, Herr List", sagt Steinbach. "Das Wetter ist schön." "Sie sehen nie nur das Wetter." "Dann sehen Sie dort." List deutet auf den Wagen. "Was soll ich sehen?" "Handel." "Das ist in Frankfurt keine seltene Erscheinung." "Eben." List lächelt. "Und dieser Handel bewegt sich durch einen Raum, der vor wenigen Jahren noch von erheblich mehr Zollgrenzen durchschnitten war." Steinbach blickt zum Wagen. "Sie meinen Ihren Zollverein." "Er gehört nicht mir." "Sie sprechen aber von ihm, als hätten Sie ihn persönlich erfunden." "Ich spreche auch über Eisenbahnen. Trotzdem habe ich noch keine Lokomotive gebaut." Steinbach lächelt. "Das beruhigt mich." Sie gehen am Main entlang. Seit dem 1. Januar 1834 besteht der Deutsche Zollverein. Preußen, Bayern, Württemberg, Sachsen, Hessen und weitere Staaten gehören zu einem gemeinsamen Zollgebiet. Innere Zollschranken verlieren ihre frühere Bedeutung. Gemeinsame Außenzölle und gemeinsame Regeln verbinden Länder, deren Fürsten keineswegs daran denken, ihre politische Selbstständigkeit aufzugeben. Doch auf der Karte fällt etwas auf. Österreich gehört nicht dazu. Das Kaisertum ist eine europäische Großmacht und die führende Macht im Deutschen Bund. Wien besitzt Einfluss, Tradition und dynastisches Gewicht. Der österreichische Kaiser herrscht aber nicht nur über deutschsprachige Gebiete. Seine Monarchie umfasst Ungarn, Böhmen, Galizien, Teile Italiens und weitere Länder. Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse und Interessen lassen sich nicht ohne weiteres in das neue deutsche Zollsystem einfügen. So entsteht eine merkwürdige Situation. Politisch steht Österreich im Deutschen Bund an herausragender Stelle. Wirtschaftlich wächst gleichzeitig ein Zusammenschluss deutscher Staaten heran, in dessen Zentrum Preußen steht. Noch nennt kaum jemand diese Konstellation eine Entscheidung zwischen einer kleindeutschen und einer großdeutschen Lösung. Diese Begriffe werden erst später ihre große politische Schärfe gewinnen. Doch die Frage, die hinter ihnen steckt, beginnt bereits ihren Schatten vorauszuwerfen. Wenn die deutschen Staaten enger zusammenarbeiten, welche Rolle soll Österreich dabei spielen? Steinbach bleibt stehen. "Sie machen einen Fehler, Herr List." "Nur einen?" "Für heute genügt einer." "Dann bin ich erleichtert." "Sie betrachten Deutschland durch die Augen eines Kaufmanns." List hebt die Brauen. "Das halte ich für ein Kompliment." "Es war keines." Steinbach deutet auf die Stadt. "Deutschland ist mehr als ein Markt. Der Deutsche Bund ist eine politische Ordnung. Österreich gehört zu dieser Ordnung. Seit Jahrhunderten ist die Geschichte der deutschen Länder mit dem Hause Habsburg verbunden." "Das bestreite ich nicht." "Und trotzdem sprechen Sie ständig von einem Wirtschaftsraum, der ohne Österreich funktioniert." "Weil er existiert." Steinbach schweigt. Die Wahrheit steht zwischen ihnen wie ein ungebetener Gast, den keiner hinauswerfen kann. "Preußen gewinnt dadurch Einfluss", sagt Steinbach schließlich. "Ja." "Und Sie halten das für ungefährlich?" "Nein." "Interessant." List bleibt ebenfalls stehen. "Warum sollte ich behaupten, wirtschaftliche Macht habe keine politischen Folgen? Das wäre töricht." "Wenn ich das für gefährlich halten würde, würden wir nicht in Frankfurt reden sondern in Wien. Denn …verstehen sie meine Sorge?" "Vollkommen." "Und unterstützen dieses System trotzdem." "Auch das." Steinbach sieht ihn prüfend an. "Sie sind ein anstrengender Gesprächspartner." "Man sagt mir nach, ich sei auch schriftlich nicht besser." Sie setzen ihren Weg fort. Auf der anderen Seite des Flusses werden Waren ausgeladen. Ein Händler ruft einem Arbeiter etwas zu. Zwei Karren weichen einander aus. Der neue Wirtschaftsraum ist noch jung. Viele Hindernisse bleiben bestehen. Unterschiedliche Münzen, Maße und Gewichte erschweren den Handel. Straßen sind unterschiedlich gut ausgebaut. Auch der Zollverein selbst umfasst längst nicht alle deutschen Staaten. Doch etwas Grundsätzliches hat sich verändert. Ein sächsischer Unternehmer kann leichter über Kunden in Preußen nachdenken. Ein württembergischer Händler kann seinen Blick weiter nach Norden richten. Ein rheinischer Produzent gewinnt Zugang zu Märkten, die früher durch zusätzliche Zollgrenzen schwieriger erreichbar waren. Der Markt beginnt, über die politischen Grenzen hinweg seine eigenen Verbindungen zu knüpfen. "Was wollen Sie eigentlich?", fragt Steinbach. "Einen größeren deutschen Wirtschaftsraum." "Mit Österreich?" List schweigt einen Augenblick. "Wenn es praktisch möglich ist." "Eine diplomatische Antwort." "Von Ihnen nehme ich das als Kompliment." "Und wenn es nicht möglich ist?" List blickt über den Main. "Dann darf die Zusammenarbeit der übrigen deutschen Staaten nicht daran scheitern." Steinbach bleibt erneut stehen. "Da haben wir es." "Was?" "Ein Deutschland ohne Österreich." "Nein." "Doch." "Sie legen mir Worte in den Mund." "Sie legen Grenzen auf die Landkarte." List schüttelt den Kopf. "Der Zollverein ist kein deutscher Staat." "Noch nicht." "Dieses Wort haben Sie hinzugefügt." "Weil Politik selten dort stehen bleibt, wo Wirtschaft sie absetzt." List sieht ihn an. Für einen Moment verschwindet der Humor aus seinem Gesicht. "Dann sollten wir besonders genau unterscheiden. Ein Zollverein ist ein Zollverein. Er schafft keine Nation, keinen Kaiser und keine gemeinsame Regierung. Er beantwortet nicht die Frage, wie Deutschland eines Tages politisch aussehen könnte." "Aber er verändert die Frage." List nickt langsam. "Das vielleicht." Über ihnen ziehen einige helle Wolken durch den blauen Himmel. Der Main fließt ruhig weiter, als interessierten ihn weder Österreich noch Preußen. Flüsse besitzen den beneidenswerten Vorteil, Grenzen hauptsächlich als Problem der Landbewohner zu betrachten. "Stellen wir uns zwei steinige Wege vor", sagt Steinbach. "Das klingt gefährlich." "Sie werden es überleben." Der Österreicher deutet mit seinem Spazierstock nach Osten. "Der erste Weg führt zu einer engeren Verbindung der deutschen Staaten unter Einschluss Österreichs. Deutschland bleibt mit jener Macht verbunden, die seit Jahrhunderten seine Geschichte mitbestimmt." "Eine große deutsche Ordnung." "Wenn Sie es so nennen wollen." "Und der zweite Weg?" Steinbach schaut List an. "Ein engerer Zusammenschluss der deutschen Staaten ohne Österreich. Mit Preußen als stärkster Macht." List nickt. "Eine kleinere deutsche Ordnung." "Kleiner auf der Karte." "Vielleicht leichter zusammenzufügen." Steinbach lächelt kühl. "Da spricht wieder der Verwaltungsbeamte." "Nein. Der Rechner." "Noch schlimmer." Sie erreichen einen Gasthof nahe dem Römerberg. Vor dem Gebäude stehen mehrere Wagen. Ein Kaufmann beaufsichtigt das Abladen von Kisten. List erkennt ihn von einer früheren Begegnung und grüßt. "Woher kommen Sie?", fragt er. "Leipzig." "Und wohin gehen die Waren?" "Ein Teil bleibt hier. Ein Teil geht weiter nach Mainz. Vielleicht später ins Rheinland." Steinbach betrachtet die Kisten. "Hat sich der Zollverein für Sie bemerkbar gemacht?" Der Kaufmann wischt sich die Stirn. "Sie sind kein Zollbeamter, oder?" "Diplomat." Der Händler überlegt. "Ist das besser?" List lacht. Steinbach nimmt es mit Würde. "Beantworten Sie nur die Frage." "Ja. Manche Wege sind einfacher geworden. Ich kann anders rechnen als früher." "Fühlen Sie sich deshalb politisch als Preuße?", fragt Steinbach. Der Kaufmann sieht ihn an, als habe er gefragt, ob die Kisten philosophische Überzeugungen besitzen. "Ich bin Sachse." "Sehen Sie", sagt Steinbach zu List. "Was soll ich sehen?" "Ein gemeinsamer Markt schafft noch keinen gemeinsamen Staat." "Das habe ich nie behauptet." Der Kaufmann schaut zwischen beiden hin und her. "Soll ich noch gebraucht werden?" "Nein", sagt List. "Dann würde ich gern weiterarbeiten. Der deutsche Einheitsgedanke bezahlt meine Arbeiter bisher nicht." Er dreht sich um und ruft nach einem Gehilfen. Steinbach lächelt zufrieden. "Ein vernünftiger Mann." "Er hat Ihnen gerade erklärt, dass wirtschaftliche Vorteile realer sind als Ihre politischen Theorien." "Er hat Ihnen erklärt, dass er Sachse bleibt." "Beides kann gleichzeitig wahr sein." Steinbach schaut List an. "Diesen Satz benutzen Sie gern." "Weil die Politik ihn erstaunlich häufig benötigt." Am Nachmittag sitzen beide in einem Kaffeehaus. Durch die geöffneten Fenster fällt warmes Licht. Vor ihnen liegen Zeitungen und eine Karte des Deutschen Bundes. Steinbach legt einen Finger auf Österreich. "Sehen Sie das Problem." "Welches von den vielen?" "Österreich ist nicht einfach ein deutscher Staat wie Sachsen." "Das ist offensichtlich." "Der Kaiser herrscht über Ungarn, über Gebiete in Italien, über Galizien und andere Länder. Unsere Monarchie lässt sich nicht in einen deutschen Wirtschaftsverband stecken, als wäre sie ein Paket auf einem Wagen." List betrachtet die Karte. "Genau darin liegt die Schwierigkeit." "Wenn Österreich einem solchen Zollsystem beitreten wollte, müssten seine anderen Gebiete berücksichtigt werden." "Und seine Zollpolitik." "Und seine wirtschaftlichen Interessen." "Die nicht immer mit denen der Zollvereinsstaaten übereinstimmen." Steinbach nickt. "Sie verstehen also, warum Wien nicht einfach Ihren gemeinsamen Außenzoll übernimmt." "Natürlich." "Und trotzdem profitiert Preußen von unserer Abwesenheit." "Ja." Wieder dieses kurze Wort. Steinbach seufzt. "Sie könnten wenigstens gelegentlich versuchen, mich zu beruhigen." "Das wäre unhöflich, wenn ich keinen Grund dazu sehe." Auf der Karte liegt Preußen wie ein langer, unregelmäßiger Körper über Deutschland. Seine westlichen Provinzen reichen bis an den Rhein, seine östlichen Gebiete weit darüber hinaus. Der Zollverein verbindet diese Räume wirtschaftlich mit zahlreichen anderen deutschen Staaten. Damit entsteht kein preußisches Deutschland. Bayern bleibt selbstbewusst. Sachsen verfolgt eigene Interessen. Württemberg ebenso. Die Entscheidungen des Zollvereins verlangen Verhandlungen. Doch Preußen besitzt aufgrund seiner Größe und seiner zentralen Rolle besonderes Gewicht. Die Waage zwischen Wien und Berlin beginnt sich zu bewegen, obwohl noch niemand weiß, wohin sie sich eines Tages neigen wird. "Was geschieht", fragt Steinbach, "wenn dieser Zollverein zwanzig Jahre besteht?" List lächelt. "Sie verlangen von mir eine Prophezeiung." "Sie geben sonst so gern welche ab." "Dann werde ich diesmal vorsichtig sein." Er nimmt die Karte. "Unternehmer werden sich daran gewöhnen, über Landesgrenzen hinweg zu planen. Regierungen werden sich daran gewöhnen, miteinander zu verhandeln. Verwaltungen werden sich daran gewöhnen, gemeinsame Regeln anzuwenden." "Und die Menschen?" "Vielleicht gewöhnen auch sie sich daran, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit nicht an der Grenze ihres Fürstentums endet." "Und dann?" List legt die Karte wieder auf den Tisch. "Dann haben sie noch immer keinen gemeinsamen Staat." Steinbach nickt. "Gut." "Aber sie haben Erfahrungen gesammelt, die einen solchen Staat vielleicht leichter vorstellbar machen." Der Österreicher verzieht das Gesicht. "Da ist es wieder." "Was?" "Ihr vielleicht." "Ein ausgezeichnetes Wort. Es verhindert, dass Historiker später aus Möglichkeiten Notwendigkeiten machen." Am Abend verlassen sie das Kaffeehaus. Die Sonne steht tief über Frankfurt. Die Fassaden leuchten im warmen Licht, und über dem Main liegt ein goldener Schimmer. Vor ihnen erhebt sich das Palais Thurn und Taxis, in dem der Bundestag des Deutschen Bundes sich versammelt. Dort sitzen die Gesandten der deutschen Staaten unter österreichischem Vorsitz. Die politische Ordnung Deutschlands blickt gewissermaßen auf eine Stadt, durch die gleichzeitig die Waren eines von Preußen geprägten Zollraums rollen. Zwei verschiedene Landkarten liegen übereinander. Auf der einen besitzt Österreich den Vorsitz im Deutschen Bund. Auf der anderen verbindet der Zollverein Preußen mit zahlreichen deutschen Staaten. Noch widersprechen sich diese beiden Ordnungen nicht zwangsläufig. Aber sie ziehen Deutschland in unterschiedliche Richtungen. "Vielleicht", sagt Steinbach, "wird eines Tages jemand entscheiden müssen." "Was?" "Ob Deutschland mit Österreich enger zusammenwächst oder ohne uns." List sieht zum Gebäude des Bundestages. "Vielleicht." "Und auf welcher Seite würden Sie stehen?" List lächelt. "Heute?" "Heute." "Auf der Seite eines größeren Marktes." "Das ist keine Antwort." "Es ist das Jahr 1835. Mehr Antwort bekommen Sie nicht." Steinbach muss lachen. "Ausnahmsweise sind Sie vernünftig." "Erzählen Sie das niemandem." Ein Fuhrwerk rollt an ihnen vorbei. Auf den Fässern steht der Name eines Hamburger Handelshauses. Der Wagen fährt weiter nach Westen, ohne zu wissen, dass zwei Männer gerade versucht haben, aus seiner Reise die Zukunft Deutschlands herauszulesen.

6. Wirtschaft wird Politik

Hier sollte ein Bild stehen.
Karte der Handelsstraßen zwischen den deutschen Ländern um 1840

Einige Jahre sind vergangen. Die Morgensonne liegt über Leipzig und lässt die Dächer der Stadt hell glänzen. Auf den Straßen herrscht bereits geschäftiges Treiben. Fuhrwerke bringen Tuch, Wein, Metallwaren, Bücher und Getreide in die Stadt. Die Leipziger Messe zieht Händler aus vielen deutschen Staaten an. Sachsen, Preußen, Bayern, Württemberg und Hessen stehen noch immer auf unterschiedlichen Schildern, in unterschiedlichen Amtsstuben und in den Köpfen ihrer Regierungen. Auf den Rechnungen der Kaufleute verlieren diese Unterschiede jedoch langsam einen Teil ihrer früheren Bedeutung. In einem Verwaltungsgebäude nahe dem Marktplatz sitzt der sächsische Beamte Carl Friedrich von Watzdorf an einem Fenster. Seit den ersten Jahren des Zollvereins ist sein Haar grauer geworden. Seine Geduld dagegen hat sich kaum verändert, was seine Kollegen für eine bemerkenswerte Leistung halten. Vor ihm liegen Tabellen über Handelsströme und Zolleinnahmen. Ein junger Beamter namens Friedrich Albrecht steht auf der anderen Seite des Tisches. „Sie haben die Zahlen aus Preußen?”, fragt Watzdorf. „Ja.” „Aus Bayern?” „Ebenfalls.” „Württemberg?” „Hier.” „Hessen?” Albrecht hebt eine weitere Mappe. „Auch hier.” Watzdorf betrachtet die Aktenberge. „Ausgezeichnet. Früher brauchte man für deutsche Einheit Philosophen. Heute braucht man offenbar einen größeren Schreibtisch.” Albrecht lächelt. „Sie nennen das Einheit?” Watzdorf hebt den Blick. „Nein.” „Aber Sie haben es gerade gesagt.” „Ich sagte deutsche Einheit. Das ist etwas anderes als ein deutscher Staat.” „Das verstehe ich nicht.” „Dann sind Sie hervorragend für die Verwaltung geeignet. Dort verbringt man einen großen Teil seines Lebens damit, Dinge zu bearbeiten, die man erst später oder gar nicht versteht.” Albrecht setzt sich. Zwischen den beiden Männern liegt eine Karte Deutschlands. Die politischen Grenzen sind deutlich eingezeichnet. Bayern bleibt ein Königreich. Sachsen ebenfalls. Württemberg besitzt seinen König. Hessen-Darmstadt seinen Großherzog. Preußen seinen König. Österreich steht außerhalb des Zollvereins und bleibt eine der beiden großen deutschen Mächte. Der Deutsche Bund besteht weiter. Niemand in Leipzig kann einfach auf die Karte zeigen und behaupten, hier liege ein deutscher Nationalstaat. Und doch hat sich seit 1834 etwas verändert. „Sehen Sie diese Zahlen?”, fragt Watzdorf. „Natürlich.” „Was sehen Sie?” „Zolleinnahmen.” „Mehr.” Albrecht betrachtet die Tabelle. „Einfuhrmengen.” „Mehr.” „Bevölkerungszahlen.” Watzdorf seufzt. „Sie besitzen die Seele eines Buchhalters.” „Danke.” Er zieht eine andere Karte hervor. Darauf sind wichtige Handelswege eingezeichnet. „Sehen Sie jetzt.” Albrecht beugt sich darüber. Straßen führen über Landesgrenzen hinweg. Warenströme verbinden Städte, Produktionsgebiete und Märkte. Die Wirtschaft malt eine zweite Karte über die politische. Ihre Linien kümmern sich weniger darum, welcher Fürst wo regiert. „Ein sächsischer Unternehmer”, sagt Watzdorf, „denkt nicht mehr nur darüber nach, wie viel er in Sachsen verkaufen kann.” „Sondern auch in Preußen.” „Und Bayern.” „Und Württemberg.” „Und Hessen.” Watzdorf nickt. „Sein Markt ist größer geworden, obwohl sein Staat nicht größer geworden ist.” Albrecht betrachtet die Karte. „Das verändert die Menschen.” „Vor allem verändert es ihre Rechnungen. Bei Menschen dauert es gewöhnlich etwas länger.” Durch das geöffnete Fenster dringt das Rumpeln eines Wagens. Die Straße scheint ihnen zuzurufen, dass sie mit ihrer Erkenntnis etwas spät dran sind. Händler haben längst verstanden, was Verwaltungen nun in Statistiken festhalten. Ein größerer Zollraum verändert Entscheidungen. Wo lohnt sich eine Werkstatt? Wohin verkauft man Waren? Von wo bezieht man Rohstoffe? Welche Straße benutzt man? Welche Stadt eignet sich als Handelsplatz? Ein Markt ist keine Linie auf einer Karte. Er ist ein unsichtbares Netz, das sich zwischen Menschen spannt. Je mehr Waren darüber wandern, desto fester wird es. „Die Regierungen treffen sich häufiger”, sagt Albrecht. „Natürlich.” „Sie beraten über Tarife.” „Ja.” „Über Einnahmen.” „Sehr gern sogar.” „Über Handelsfragen.” „Widerwillig, aber regelmäßig.” „Dann betreiben sie gemeinsam Politik.” Watzdorf sieht ihn an. „Vorsicht.” „Warum?” „Weil aus einem richtigen Satz leicht ein falscher Schluss wird.” Albrecht wartet. „Der Zollverein ist kein deutscher Staat”, sagt Watzdorf. „Aber seine Mitglieder müssen Entscheidungen berücksichtigen, die sie früher weitgehend allein getroffen hätten.” „Und wenn sie sich daran gewöhnen?” Watzdorf lehnt sich zurück. „Das ist die interessantere Frage.” Einige Wochen später reist Watzdorf nach Berlin. In einem preußischen Ministerium trifft er einen alten Bekannten. Bülow sitzt vor einem Berg von Unterlagen und betrachtet ihn mit der Ruhe eines Mannes, der seit Jahren gelernt hat, dass Akten niemals verschwinden, sondern nur jüngere Akten hervorbringen. „Sachsen”, sagt Bülow zur Begrüßung. „Preußen”, erwidert Watzdorf. „Wir werden immer herzlicher.” „Geben Sie uns noch zehn Jahre.” Sie setzen sich. Auf dem Tisch liegen Vorschläge für Änderungen an Zolltarifen. „Bayern widerspricht”, sagt Bülow. „Das überrascht mich zutiefst.” „Württemberg hat Änderungswünsche.” „Noch erstaunlicher.” „Hessen verlangt genauere Berechnungen.” „Dann funktioniert der Zollverein offenbar hervorragend.” Bülow lacht. „Sie halten Streit für ein Zeichen des Erfolgs?” „Nein. Aber regelmäßigen Streit schon.” Bülow hebt eine Braue. Watzdorf deutet auf die Akten. „Wir streiten miteinander, weil wir miteinander verbunden sind. Wären uns die Entscheidungen der anderen gleichgültig, müssten wir nicht verhandeln.” Bülow betrachtet die Unterlagen. „Eine ausgesprochen anstrengende Form des Fortschritts.” „Kennen Sie eine andere?” Bülow denkt kurz nach. „Nein.” Genau darin liegt eine langfristige Veränderung. Ministerien schreiben einander. Beamte vergleichen Statistiken. Regierungen schicken Unterhändler. Interessen werden nicht mehr nur gegeneinander verteidigt, sondern miteinander verrechnet. Der Zollverein sitzt wie ein zusätzlicher Teilnehmer in jeder Verhandlung. Niemand kann ihn sehen, doch alle müssen berücksichtigen, was mit ihm geschieht. „Preußen profitiert davon”, sagt Watzdorf. Bülow blickt auf. „Sachsen ebenfalls.” „Das war keine Beschwerde.” „Dann bin ich bei Ihnen immer besonders misstrauisch.” Watzdorf lächelt. „Preußen liegt im Zentrum des Systems. Es besitzt das größte Gebiet, die größte Bevölkerung und eine effiziente Verwaltung. Natürlich wächst damit auch Ihr Einfluss.” „Wir haben nie behauptet, keine Interessen zu besitzen.” „Nein. Das wäre auch unglaubwürdig gewesen.” „Österreich betrachtet die Entwicklung aufmerksam.” „Das sollte es.” Damit berühren sie eine Frage, die weit über Zolltarife hinausreicht. Im Deutschen Bund besitzt Österreich traditionell eine führende Stellung. Doch Österreich gehört dem Zollverein nicht an. Preußen dagegen steht im Mittelpunkt eines wirtschaftlichen Systems, das immer mehr deutsche Staaten miteinander verbindet. Dadurch gewinnt Preußen Gewicht. Nicht durch eine Eroberung. Nicht durch einen Beschluss, Österreich aus Deutschland zu verdrängen. Sondern weil wirtschaftliche Zusammenarbeit politische Folgen entwickelt. „War das von Anfang an der Plan?”, fragt Watzdorf. Bülow lacht. „Welcher Plan?” „Preußen wirtschaftlich so eng mit den deutschen Staaten zu verbinden, dass Österreich an Einfluss verliert.” „Sie überschätzen die Fähigkeit von Regierungen, zwanzig Jahre vorauszuplanen.” „Das ist beruhigend.” Bülow lehnt sich zurück. „Als wir mit Zollreformen begannen, wollten wir konkrete Probleme lösen. Niemand saß 1818 in Berlin und zeichnete bereits die politische Zukunft Deutschlands bis ins Einzelne vor.” Watzdorf nickt. „Genau das ist der Punkt.” Kein unsichtbarer Architekt hat die Entwicklung geplant. Die Staaten handelten zunächst aus unmittelbaren Interessen. Aus diesen Interessen entstand Zusammenarbeit. Aus der Zusammenarbeit entstanden Gewohnheiten. Und aus diesen Gewohnheiten entstehen nun politische Möglichkeiten. Die Wirtschaft zieht die Politik hinter sich her wie ein kräftiges Pferd einen Wagen, dessen Kutscher gern behauptet, er habe die ganze Zeit genau diese Richtung gewählt. „Vielleicht”, sagt Watzdorf, „ist das die eigentliche Veränderung.” „Was?” „Wir beginnen, Entscheidungen der anderen deutschen Staaten nicht mehr als Angelegenheiten zu betrachten, die uns nichts angehen.” Bülow schweigt. „Wenn Bayern seinen Zolltarif ändern will, betrifft das Preußen. Wenn Sachsen neue Handelsinteressen entwickelt, betrifft das Bayern. Wenn Preußen mit einem ausländischen Handelspartner verhandelt, beobachten es die anderen Mitglieder.” „Gemeinsame Interessen.” „Ja.” „Das klingt politisch.” „Es ist politisch.” Bülow steht auf und tritt ans Fenster. Draußen glänzt Berlin in der Nachmittagssonne. „Und trotzdem bleibt Bayern Bayern.” „Ja.” „Sachsen Sachsen.” „Darauf bestehen wir.” „Und Preußen Preußen.” „Darauf bestehen Sie vermutlich noch stärker.” Bülow lächelt. „Dann haben wir eine Einheit, die noch kein Staat ist.” Watzdorf tritt neben ihn. „Genau.” Einige Jahre vergehen. Eisenbahnen beginnen, die wirtschaftlichen Veränderungen zu beschleunigen. Schienen verbinden Städte und Regionen. Die Fahrtzeiten sinken. Güter gelangen schneller zu entfernten Märkten. Was der Zollverein wirtschaftlich geöffnet hat, wird durch die Eisenbahn räumlich enger zusammengerückt.Der Markt bekommt nicht nur längere Beine. Er bekommt Räder aus Eisen. In Leipzig sitzt der inzwischen deutlich ältere Watzdorf wieder in seinem Arbeitszimmer. Auf seinem Tisch liegt eine Zeitung. Friedrich Albrecht, längst kein ganz junger Beamter mehr, tritt ein. „Sie lesen politische Artikel?”, fragt er. „Nur wenn ich schlecht gelaunt werden möchte.” „Dann haben Sie heute offenbar Erfolg.” Watzdorf faltet die Zeitung zusammen. „Die Zeitungen nennen den Zollverein einen Schritt zur deutschen Einheit.” Albrecht setzt sich. „Ist das falsch?” „Es ist unvollständig.” „Warum?” Watzdorf tippt auf die Zeitung. „Man darf die Geschichte nicht vom Ende her erzählen und so tun, als hätten alle immer gewusst, wohin sie führt.”„Sie meinen, die Reichsgründung ist nicht zwangsläufig.” „Natürlich nicht. Geschichte besitzt keine Schienen, auf denen sie nur in eine Richtung fahren kann.” Albrecht lächelt. „Das sollten Sie den Studenten nicht erzählen.” „Die sind ohnehin empfindlich.” Albrecht wird wieder ernst. „Aber der Zollverein verändert doch etwas.”„Sehr viel.” Watzdorf steht auf und geht zur Karte. „Sehen Sie Österreich.” Albrecht folgt seinem Blick. „Außerhalb des Zollvereins.”„Und Preußen?”„Im Zentrum.” „Dadurch verändert sich das Kräfteverhältnis in Deutschland. Aber daraus folgt nicht automatisch, was in zwanzig oder dreißig Jahren geschieht. Es schafft Möglichkeiten. Keine Gewissheiten.” Albrecht tritt neben ihn. „Und die Menschen? Ein Kaufmann in Sachsen handelt mit Preußen. Ein Fabrikant im Rheinland verkauft nach Bayern. Ein württembergischer Händler plant mit Kunden in Leipzig. Sie erleben einen Raum, der größer ist als ihr eigener Staat.” Watzdorf nickt. „Das ist wichtig.” „Dann wächst wirtschaftlich etwas zusammen.” „Ja.” „Vielleicht beginnt große Politik manchmal mit kleinen Grenzen.” Watzdorf sieht ihn an. Lange sagt er nichts. Dann lächelt er. „Sie werden langsam gefährlich.”„Warum?”„Sie beginnen, aus Statistiken Gedanken zu entwickeln.”Albrecht lacht. „Von wem habe ich das wohl gelernt?”„Bestimmt nicht von mir. Ich habe immer davor gewarnt.”Draußen fährt ein Zug in Richtung Bahnhof. Sein Pfeifen ist über den Dächern zu hören. Watzdorf geht zum Fenster.„Als ich jung war”, sagt er, „konnte ein Kaufmann auf einer Reise durch Deutschland an einer erstaunlichen Zahl von Zollstellen aufgehalten werden.”„Und heute?”„Heute beschwert er sich über Fahrpläne.”„Ist das Fortschritt?”„Unbedingt. Die Beschwerden werden schneller.” Beide lachen. Am nächsten Morgen verlassen sie Leipzig zu einer Dienstreise. Einige Meilen vor der Stadt steht am Rand ein altes Zollhaus. Der Schlagbaum ist noch vorhanden, aber er versperrt die Straße nicht mehr. Das Holz ist verwittert. Gras wächst an seinem Fuß. Watzdorf lässt die Kutsche halten.„Warum halten wir?”, fragt Albrecht.„Weil wir hier früher hätten halten müssen.”Sie steigen aus.Ein Warenwagen nähert sich. Er ist schwer beladen. Der Fuhrmann grüßt kurz und fährt weiter.Niemand verlangt Papiere. Niemand öffnet die Kisten. Niemand zählt Fässer. Niemand fordert eine Zahlung an dieser ehemaligen inneren Zollgrenze. Die Straße nimmt den Wagen auf und trägt ihn weiter. Albrecht sieht ihm nach. „Merkwürdig.” „Was?” „Dass eine Grenze ihre Bedeutung verändern kann, obwohl sie auf der Karte noch existiert.” Watzdorf nickt. „Das ist vielleicht die wichtigste Lektion.” „Des Zollvereins?” „Der Zusammenarbeit aller Deutschen.” Er blickt zum alten Zollhaus und dann auf die offene Straße. Der Zollverein hat die deutschen Staaten nicht zu einem Staat gemacht. Er hat ihre Fürsten nicht abgeschafft und ihre politischen Grenzen nicht beseitigt. Aber er hat etwas verändert, das weniger sichtbar ist. Die Entscheidungen eines Staates reichen nun häufiger in die Interessen der anderen hinein. Händler planen über Grenzen hinweg. Unternehmen denken in größeren Märkten. Regierungen müssen berücksichtigen, was ihre Partner tun. Und Preußen gewinnt innerhalb dieses Geflechts ein Gewicht, das auch das politische Verhältnis zu Österreich verändert. Das ist keine fertige deutsche Einheit. Es ist eine neue politische Möglichkeit. „Haben wir Deutschland geschaffen?”, fragt Albrecht. Watzdorf schaut noch einmal zum verlassenen Zollhaus. „Nein.” „Was dann?” Watzdorf denkt einen Moment nach. „Wir haben einen Raum geschaffen, in dem immer mehr Menschen und Regierungen feststellen, dass die nächste Grenze nicht mehr das Ende ihrer Angelegenheiten ist.” Die Kutsche setzt sich wieder in Bewegung. Hinter ihnen wird der alte Schlagbaum kleiner. „Noch eine einfache Lektion, dann mache ich Pause” sagt Watzdorf „Welche.” „Weniger Steuern gleich mehr Handel gleich mehr Wohlstand für alle. die arbeiten wollen.” Vor ihnen liegt die Straße offen unter einem blauen Himmel. Manchmal beginnen politische Veränderungen nicht mit einem neuen Staat. Meist beginnen sie damit, dass die bestehenden Staaten sich um die Interessen ihrer eigenen Bürger kümmern.